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15.01.2013

Zusammen sind sie wunderbar anders: Film über das Jazz-Duo Brüning und Petrowsky

von Frank Quilitzsch TLZ

Jazz-Legenden auf der Bühne: Sängerin Uschi Brüning mit dem singenden Schauspieler Manfred Krug. Foto: dapd

Die sächsische Journalistin Ulrike Keller hat die Jazz-Legenden Uschi Brüning und Ernst-Ludwig Petrowsky ein Jahr lang begleitet. Ihren Film "Einfach sein... für eine freie Musik" stellt sie im Erfurter Kinoklub am Hirschlachufer vor.

Erfurt. Sie sind vollkommen aufeinander eingeschworen. Er improvisiert mit Klarinette und Saxofon, sie allein mit ihrer phänomenalen Stimme. Jeder für sich ist schon ein Ausnahmekünstler und hat auch mit anderen Jazz-Größen gearbeitet. Doch wenn sie gemeinsam auftreten, sind sie "noch irgendwie anders", wie es der Posaunist Jiggs Whigham sagt, "wunderbar anders".

Eine Hommage an die DDR-Jazz-Legenden Uschi Brüning und Ernst-Ludwig Petrowsky war längst überfällig, denn die beiden haben nicht nur ein gewichtiges Kapitel deutscher Musikgeschichte mit geschrieben, sondern sie sind auch heute noch - in einem Alter, da andere ihren verdienten Ruhestand genießen - unermüdlich auf Achse. Für den Film "Einfach sein ... für eine freie Musik" (93 min, als DVD 15.99 Euro) wurden sie von der sächsischen Journalistin Ulrike Keller ein Jahr lang begleitet. Die abendfüllende Dokumentation wird am morgigen Mittwoch von der Filmemacherin im Erfurter Kinoklub am Hirschlach­ufer vorgestellt.

Uschi Brüning und Ernst-Ludwig Petrowsky, die sich schon aus den 70er Jahren kennen, treten seit drei Jahrzehnten als Duo auf. 1982 gaben sie sich auch auf dem Standesamt das Ja-Wort. Keller und ihre Kameraleute Ulrich Lewald und Ilko Eichelmann besuchen das Paar anlässlich des gemeinsamen Bühnenjubiläums zu Hause am Stadtrand von Berlin, fahren mit ihm an Orte der Erinnerung in Leipzig und Güstrow und beobachten es bei Workshops und Konzerten. Zehn Auftritte pro Monat stehen noch immer an, darunter große Konzerte mit Manfred Krug und Orchester in ausverkauften Theatern und kleinere in Klubs, die sie zu zweit, mit weiteren Musikern oder auch mal mit einer Poetry-Slamerin bestreiten.

Manfred Krug lobt seine Mitsängerin

Aus Manfred Krugs Jazz-Programmen ist Uschi Brüning ja kaum noch wegzudenken, so sehr harmonieren die beiden gesanglich. "Wenn sie aufhört, höre ich auch auf", sagt Krug, der im Februar 76 Jahre alt wird, in die Kamera. "Sie trifft die Töne wie eine Glocke."

Mit "Lutens", wie Uschi Brüning ihren mit Strohhut und Stock ein wenig exorbitant wirkenden Mann nennt, kehrt sie in das Ostberliner Tonstudio in der Nalepastraße zurück, um eine CD mit Ornette Coleman-Stücken aufzunehmen. Gemeinsam erinnern sie sich an die Anfänge. Uschi Brüning habe, als sie als junge Frau beim Studio-Team Leipzig sang, äußerlich ganz unscheinbar gewirkt, sagt ihr Mann, doch was sie an Tönen produzierte - unglaublich!

Die Filmemacherin hält sich mit Kommentaren zurück, lässt lieber ihre Protagonisten, deren Freunde und Zeitgenossen sprechen, darunter der Komponist Klaus Lenz und die Schauspielerin Annekathrin Bürger. Die Einblicke, die die Kamera in den Alltag und das Leben hinter der Bühne gewährt, sind angenehm unspektakulär, obgleich auch nichts beschönigt wird. Petrowsky, der einmal der Vorreiter der DDR-Jazz-Solisten war, bewegt sich schwerfällig am Stock und muss sich vorm Auftritt auch mal ausstrecken, weil der Kreislauf verrückt spielt. Doch auf der Bühne übernimmt er sofort das Kommando und reißt mit seiner Energie die ein paar Jahre Jüngere mit. Dann jazzen sie frei und unbeschwert - ein seelisch frisch gebliebenes Künstlerpaar, das sich gemeinsam durchs Alter navigiert.

Die Protagonisten sind mit dem filmischen Doppelporträt augenscheinlich zufrieden. Es hebe sich von allen anderen dieser Art ab, meint Uschi Brüning. Die beiden erfolgreichen Jazzer hätten in ihrer Karriere zwar viel erlebt und erreicht, aber sich durch ihr bescheidenes Naturell nie in den Vordergrund gespielt, so das Fazit der 32-jährigen Ulrike Keller, die die Produktion zum größten Teil selbst finanziert hat. Dadurch seien sie einer breiten Öffentlichkeit vielleicht weniger bekannt als andere Künstler ihrer Zeit. Genau das will Keller mit ihrer gelungenen Hommage gern ändern.

Mittwoch, 16. Januar, 21 Uhr, Kinoklub am Hirschlachufer in Erfurt; anschließend Gespräch mit der Regisseurin; die DVD kann per E-Mail bestellt werden unter: einfach_sein(at)kreamedia.info

 

Sonntag, 23.06.2013, 20.00 Uhr auf Burg Ranis, Abschlusskonzert der Thüringer Literatur- und Autorentage mit Uschi Brüning, Ernst-Ludwig Petrowski und Wiglaf Droste !