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01.09.2008

Zur gemütlichen Flamme

von Lutz Prager Ostthüringer Zeitung

Zur gemütlichen Flamme

Mit Käse-Fondue wollte Hürlimann 1989 Jena erobern - Nun ist er Caroline-Preisträger
Von OTZ-Redakteur Lutz Prager Jena. Der diesjährige Gewinner des mit 5 000 Euro dotierten Caroline-Schlegel-Preises der Stadt Jena war am Sonnabend nicht zum ersten Mal in der Saalestadt.
Thomas Hürlimann, dessen nun preisgekröntes Essay über "Die Treppe" im April in der FAZ erschienen war, offenbarte in seiner Dankesrede nach der Preisverleihung am Sonnabend im Romantikerhaus, dass er schon einmal dazu angesetzt hatte, von Jena aus den Osten im ganz großen Stil zu erobern.
In seinem immer wieder vom herzhaften Lachen des Publikums unterbrochenen Vortrag berichtete der schweizer Autor, wie er einen Tag nach der Maueröffnung 1989 von München nach Weimar reiste und schließlich um 22 Uhr in Jena landete. Hier gab es zwar um diese Zeit weder im Edel-Restaurant noch in der Studentenkneipe etwas zu Essen, aber dafür traf er die blonde Ingeburg. Die hübsche Jenaerin beeindruckte den Autor nicht nur, sondern bot ihm und seinem Begleiter auch ein Nachtlager in ihrer Wohnung an. Dort wurde dann bei offenbar nicht wenig Rotwein der Plan geschmiedet, ein Käse-Fondue-Lokal "Zur gemütlichen Flamme" gemeinsam mit Ingeburg in Jena zu eröffnen. Von Jena aus sollte mit dem Schweizer Käse gar der ganze Osten mit Fondue-Lokalen, bis heute eine unentdeckte Marktlücke, überschwemmt werden. Das Projekt scheiterte, weil ein Schweizer damals nicht einfach ein Lokal in Jena eröffnen konnte, die Ehefrau Hürlimanns wohl nicht so angetan gewesen wäre von Ingeburg und der Künstler wohl auch sonst besser daran tat, bei dem zu bleiben, was er wirklich kann: Humorvolle wie tiefsinnige Texte verfassen.
Das bescheinigten ihm auch die Miglieder Jury. Der Jenaer Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Klaus Manger sprach gar von Glücksgefühlen beim Lesen seines eingereichten Aufsatzes über die Treppe. Spätestens nach dem kurzen Vortrag im Romantikerhaus konnte man Mangers Euphorie nachempfinden. "Wenn es den Caroline-Preis nicht schon gäbe, man müsste einen Preis für das Treppen-Essay von Thomas Hürlimann erfinden", so der Professor.
Über den mit 2500 Euro dotierten Förderpreis konnte sich der Jenaer Dr. Dietmar Ebert, OTZ-Lesern auch als Konzert-Rezensent bekannt, freuen. Sein Essay "Vielleicht doch ein Roman? - Nachdenken über Kertész" Dossier K. beschäftigt sich mit dem Leben und Werk des Literaturnobelpreisträgers von 2002, Imre Kertész. Das Leben des Ungarn wurde durch das Überleben als Junge in Auschwitz und Buchenwald geprägt., Die Jury fördert mit dem Preis das Vorhaben Dr. Eberts, eine Monographie über Imre Kertész zu verfassen.
Die diesjährige Verleihung des Jenaer Literaturpreises wurde im Anschluss an den Festakt mit dem Brunnenfest im Hof des Romantikerhauses gefeiert.

31.08.2008