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14.03.2005

Zukunftsängste der Bibliotheken

von dpa TLZ

Erfurt. (dpa/tlz) Bei den Thüringer Bibliotheken machen sich nach den Kürzungen im Landeshaushalt Zukunftsängste breit. Das ergab eine Umfrage. Es sei zu befürchten, dass aus Sparzwang in vielen Kommunen über eine Schließung der Bibliothek gesprochen werde, sagte der Vorsitzende des Thüringer Bibliotheksverbandes, Frank Simon-Ritz. Die Zahl hauptamtlich geführter Bibliotheken in Thüringen ging nach seinen Angaben in den vergangenen Jahren bereits stetig zurück - von 233 im Jahr 1990 auf 119 im Jahr 2003.

Im vergangenen Jahr gab es in Thüringen laut Kultusministerium insgesamt 301 Bibliotheken. Grund zur Sorge geben den Bibliotheken verschiedene Kürzungen. So wird der kommunale Finanzausgleich in diesem Jahr nach Zahlen des Finanzministeriums um 152 Millionen Euro beschnitten. Zudem gibt das Land nach Angaben des Kultusministeriums 2005 knapp 130 000 Euro weniger direkte Zuschüsse an die Bibliotheken als im Vorjahr. Selbst kleinere Kürzungen können über die Schließung einer Bibliothek entscheiden.

"Wir sind schon am Existenzminimum", sagte die Leiterin der Stadt- und Kreisbibliothek "Joseph Meyer" in Hildburghausen, Luise Wiegler. In der Bibliothek Hildburghausen gibt es nur dreieinhalb Stellen. "Wenn jetzt noch ein Mitarbeiter wegfallen würde, könnten wir die Öffnungszeiten nicht mehr halten", sagte Wiegler.

Nach einer Kürzung der Mittel für 2005 habe der Kreis angekündigt, dass er sich 2006 aus der Finanzierung herausziehen wolle. Damit fehlten die Mittel für eine Stelle, für Sachkosten und den Kauf neuer Bücher. "Wenn die Buchbeschaffungsmittel wegfallen, stirbt die Bibliothek sowieso", sagte Wiegler. Gefährdet wären damit auch die 25 Bibliotheken im Landkreis, die ihre Bibliothek mit Austauschbeständen versorgen.

Der Erwerbungsetat der öffentlichen Bibliotheken ist laut Simon-Ritz von durchschnittlich 2,23 Euro je Einwohner im Jahr 1991 auf nur noch 68 Cent im Jahr 2003 geschrumpft. Die Personalstellen wurden von knapp 940 im Jahr 1990 auf noch 380 im Jahr 2003 reduziert. Es gehe um die Frage, ob eine Bibliothek für eine Kommune ein Luxus sei, den man weglassen könne oder ob sie zur Infrastruktur gehöre, sagte Simon-Ritz, der die Bibliothek der Bauhaus-Universität Weimar leitet.

Der Bibliotheksverbandsvorsitzende kritisierte, dass eine gesetzliche Regelung fehle, nach der Kommunen von einer bestimmten Größe an verpflichtet würden, ihren Einwohnern eine öffentliche Bibliothek anzubieten. Schließlich handle es sich um Bildungseinrichtungen. "Dass sie daneben noch den Krimi für die Urlaubslektüre bereitstellen ist schön, aber der Kern ihrer Arbeit ist die Bildungsarbeit", sagte Simon-Ritz.

@ www.bibliotheksverband.de/lv-thueringen