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18.06.2007

Zufriedene Autoren und ein geklautes Buch

von Ulrike Merkel Ostthüringer Zeitung

1400 Gäste besuchen Literaturtage in Ranis

Von Ulrike Merkel Das Wetter sorgt bei den Thüringer Literaturtagen alljährlich für kleine Kapriolen. Während etwa Krimiautor Wolfgang Schorlau am Samstag auf dem Hof der Burg Ranis aus dem Leben seines Detektivs Dengler berichtet, zerzaust ihm der Wind kräftig die Frisur - wie den 60 Gästen auch. Als der Frühsommer dann noch einen Schauer schickt, will manch Hörer gar dem Wetter trotzen und ruft: "Weitermachen". Alsbald aber verlegt der Lese-Zeichen e.V. die Lesung doch ins Burginnere. Und Schorlau spielt drinnen den Ver- blüfften: "Es überrascht doch ein wenig, dass niemand die Gelegenheit genutzt hat, zu gehen."
Auch mit der Resonanz der übrigen 13 Veranstaltungen der "Thüringer Literatur- und Autorentage" vom 14. bis 17. Juni in Ranis ist Vereinsvorsitzender Andreas Berner sehr zufrieden. "Jedes Jahr gibt es eine kleine Steigerung." Bei der diesjährigen zehnten Ausgabe zählte er insgesamt 1400 Gäste. Inzwischen kämen "sogar Halbwüchsige, die eigentlich cool sind", sagt Berner. "Die Leute hören gern zu."

Besonders gut besucht sei etwa das gestrige Lese-Café von MDR-Figaro gewesen. Da nicht alle Gäste der Live-Sendung im Burgsaal beiwohnen konnten, wurde das Gespräch zwischen Autor Alexander Osang und Moderator Michael Hametner auch auf den Burghof übertragen.

Beim ersten, schon vor Wochen ausverkauften Literaturball mussten sogar Gäste nach Hause geschickt werden. Die Idee von Lesezeichen-Geschäftsführer Dr. Martin Straub ging auf, Musik-Kabarett, heitere Kostproben hiesiger Autoren und Tanz zu vereinen. "Den Ball wird es auch nächstes Jahr geben", sagt Andreas Berner.

Mit den Literaturtagen konnte Martin Straub dem preisgekrönten Autor Clemens Meyer einen lang gehegten Wunsch erfüllen. Bei der gemeinsamen Lesung mit Feridun Zaimoglu lernte Meyer endlich den geschätzten Kollegen kennen. Und auch Schauspielerin Jutta Hoffmann reiste beschwingt ab. Ihre zweistündige Lesung aus den Tagebüchern der Brigitte Reimann sei ihr lediglich wie eine dreiviertel Stunde vorgekommen, sagt Berner.

Krimiautor Schorlau indessen musste auf der Hinreise den Verlust seines Lese-Exemplars verwinden. Während seines "Erholungsschlafes" stahl im ein Bahngast "Fremde Wasser - Denglers dritter Fall".