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06.09.2008

Zehnter Stadtschreiber in Ranis tritt seine Stelle an

von rd Ostthüringer Zeitung

Zehnter Stadtschreiber in Ranis tritt seine Stelle an
Hartmut Lohmann folgt Friederike Kenneweg
Ranis (rd). Hartmut Lohmann ist bereits der zehnte Stadtschreiber in Ranis. Am Donnerstag trat der 25-jährige seine Stelle offiziell an. Er ist Nachfolger von Friederike Kenneweg, die am gleichen Abend vor rund 40 Besuchern ihr Debütwerk "Geschichten aus der Winterhand" vorgestellt hat.

"Die Stadtschreiber werden immer jünger", begrüßte Projektmanagerin Anke Scheller vom Lesezeichen e.V. den jungen Mann aus Bochum, der in der Gaststätte "Zur Schmiede" Prosa und Lyrik vortrug und Neugier auf sein künftiges Schaffen weckte. Lohmann ist zugleich Betreiber einer Galerie und als Grafiker und Maler tätig. "Ich habe von der Ausschreibung in Ranis erfahren und mich sofort beworben. Ich mag die Landschaft hier und freue mich schon sehr auf ausgedehnte Wanderungen", sagte der studierte Biotechniker, der noch ein Studium in Germanistik aufnehmen wird.

Hartmut Lohmann wartet zudem in Ranis mit einer Premiere auf: Erstmals hat ein Stadtschreiber vor, hier die 100 Tage an einem Stück zu verbringen. Die bisherigen Stelleninhaber pendelten stets mehrmals zwischen ihrem Wohnort und Ranis. Lohmann hat vor, die Genre Prosa und Lyrik zu mischen: "Nennen wir es lyrische Prosa", blickt er auf seine Tätigkeit voraus.

Während der junge Autor im vergangenen Jahr als Stadtschreiber in Otterndorf an der Nordsee gearbeitet hat, besteht für ihn die Hoffnung, im nächsten Jahr ein gleiches Amt in Eckernförde, ebenfalls in Norddeutschland, zu begleiten. Doch zunächst ruft ihn die Pflicht nach Ranis.

Für die Berlinerin Friederike Kenneweg ist ihre einjährige Amtszeit am Donnerstag zu Ende gegangen. Die Geschichte der fiktiven Stadtschreiberin Frieda Kattenstraat brachte die Zuhörer immer wieder zum Schmunzeln. "Sie stellt Ranis aus einer anderen Perspektive dar. Und trotzdem erkennt man, dass es sich um Ranis handelt", sagte Dr. Ernst Kulpe. "Sie pflegt einen sehr kultivierten Umgang mit der Sprache", bescheinigte ihr Literaturfreund Burkhard Hellweg.

Die 28-jährige, die ihre Eltern Ursula und Hartmut Kenneweg zur Premiere dabei hatte, nimmt viele gute Erinnerungen an Ranis mit. "Ich persönlich habe den Eindruck, dass ich sehr viel dazu gelernt habe. Zum ersten Mal habe ich auch einen so langen Text geschrieben", welcher im Buch 50 Seiten umfasst. Allerdings sei die Zeit von einem Jahr kurz bemessen, denn "es braucht ein wenig Zeit, um anzukommen."

Zufrieden mit der Arbeit der jüngsten Stadtschreiber ist Bürgermeister Andreas Gliesing. Die "Botschafter der Stadt", wie er die Stadtschreiber nannte, seien auch in der Region mit mehreren Lesungen engagiert.

Die Zahl der Bewerber habe mit den Jahren nicht abgenommen, was für die Attraktivität der Stelle in Ranis mit der Möglichkeit einer Buchveröffentlichung spreche. Zugleich dankte Gliesing allen großzügigen Förderern, allen voran der Kreissparkasse Saale-Orla und GGP Media.

05.09.2008