Presse - Details

 
01.10.2010

Wurzbacher Andreas Berner stellt im Lobensteiner Schloss aus

von Roland Barwinsky OTZ

Die Eröffnung der Ausstellung Feinstrich und Struktur Reisebilder im Neuen Schloss von Bad Lobenstein vereinte ungewöhnlich viele Kunstliebhaber. Und das generationsübergreifend.

Die Reisebilder sowie vereinzelte Graphiken des Wurzbachers Andreas Berner offenbarten bei einer genauen Draufsicht auf Anhieb zahlreiche Geheimnisse. Somit animierten diese regelrecht zum Innehalten und Verweilen.Denn Berners akribische Aufnahmen haben mit zufallsbedingten Schnappschüssen nichts zu tun. Eher reflektieren sie detailverliebt unterschiedlichste Kulturlandschaften inklusive der Einwohner. Beleg dafür sind Abbildungen von siebenbürgischen Orten, den ansässigen Menschen und den rustikal-charmant wirkenden Gegenständen. Zugleich überragen die Kirchenburgen fast alles. Aber auch der dazu gehörige Verfall ist greifbar. Das einst den Ablauf vor Ort bestimmende Gesellschaftsgefüge gibt es nämlich kaum noch. Die damit einhergehenden jahrhundertealten Traditionslinien sind infolge dessen längst verblasst.

Eine wunderschöne Spurensuche ermöglichen die ebenfalls in der genannten Region zu verortenden Porträts. Extrem ausdrucksstarke Gesichter, voll mit spannenden Geschichten, die schon einige Zeitenwenden erlebten.

 Auch die Fotos aus Israel wirken wie unikate Felsen in der Brandung, sind eigentlich nicht austauschbar. Dafür sorgte schon der Umstand, dass sie zu bestimmten Uhrzeiten entstanden. Denn der dafür Verantwortung tragende Fotograf ist unterwegs einfach nur rastlos, hieß es. Zugleich immer auf der Suche nach speziellen Formen und verlangt deswegen von sich selbst viel Disziplin.

Das zahlt sich aus. Denn die Freude beim Betrachten der festgehaltenen Momente war Donnerstag rundum spürbar. Rätselhafte Schönheit, verbunden mit einer anspruchsvollen Ästhetik erkennt man bei den dargestellten Strukturen. Ist es nun abstrakte Malerei, eine wunderbar abgebildete Landkarte oder gar eine faszinierende Wasserspiegelung, fragte sichtlich entzückt Helge Pfannenschmidt. Ein seit Jahren mit Andreas Berner befreundeter Verleger aus Dresden, der die fundierte Einführung in die Ausstellung übernahm. Zumindestens befördern die kleinen Kunstwerke wie von allein große Fantasien beim Betrachter. Dafür sorgen schon einige für die Aufnahmen auserkorene Standorte wie die Ostsee, Paris und Venedig. Erfrischend zudem das immer wieder zu spürende Wechselspiel zwischen Spontaneität sowie personengebundener Intuition.

Mit den soeben gemachten Eindrücken im Kopf, versammelten sich anschließend zahlreiche Besucher zum Lesekonzert. Klavier-Improvisationen von Albrecht Berner umrahmten vorgestellte Lyrik sowie Prosa von Nancy Hünger. Und bei ihr drehte sich natürlich fast alles um Fernweh, um die eigenen in Worte verarbeiteten Eindrücke weit weg von Zuhause. Sie beschrieb eine Zugfahrt nach Russland und in die Ukraine. Dann folgte die Erfahrung Israel. Ein Ausflug, den die Literatin mit Andreas Berner unternahm. Zum Finale ging es gedanklich nach Birthälm in Rumänien. Einst ein recht stolzes Domizil der "Siebenbürger Sachsen" und ausgestattet mit der imposantesten und größten Wehrkirche der ganzen Region sowie geprägt vom Alltagsleben, das noch immer durch Einfachheit, Schlichtheit und scheinbaren Stillstand bestimmt wird.