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16.07.2012

"WortWechsel" will Bewusstsein für Literatur schärfen

von Jördis Bachmann TLZ

Lesung im Wortwechsel-Wohnzimmer im Kunsthof Jena: Daniela Danz (im Bild), die frischgekürte Harald-Gerlach-Stipendiatin, präsentiert am Freitagabend einiges aus ihren Werken. Foto: Jördis Bachmann

Die Initiative "WortWechsel - Junge Literatur in Thüringen" versucht nicht nur, das Bewusstsein junger Menschen für Literatur zu schärfen, sie will bei der Vernetzung von Schreibern in Thüringen helfen und Potentiale junger Literaten bündeln. Hinter "Wortwechsel" stecken Romina Voigt und Moritz Anton Gause, beide selbst Schreiber, die bereits mit diversen kleineren Literaturpreisen ausgezeichnet wurden.

Jena. Da liegt er auf seiner Matratze, ein Stapel Bücher neben dem Schlaflager, den Schirm unter dem undichten Dach aufgespannt: Spitzwegs "Armer Poet". Und noch heute, 180 Jahre nach der Entstehung des Bildes, können junge Schreiber das Motiv nur allzugut nachvollziehen.Wie lebt es sich als Schriftsteller? Wie finanziert man sich mit seiner eigenen Kreativität? Wie viel Geschäftsmann muss in einem Poeten stecken, um zu überleben in Zeiten des Internets, in denen schnell geschrieben, veröffentlicht und wieder vergessen wird? Sie veranstalten Lesungen und Workshops und unterstützen junge Autoren auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Erstmals veranstalten sie nun in der Jenaer Galerie Kunsthof eine dreitägige Lesung: das "Literatur-Wohnzimmer".

Von Freitag, 20. Juli, bis Sonntag, 22. Juli, präsentieren sich im Kunsthof junge Autoren neben bereits etablieren Schriftstellern. Es wird gelesen, diskutiert und musiziert. "Uns war es wichtig, dass die Lesung nicht glatt und steif wird, sondern eine spielerische Atmosphäre bekommt", sagt Moritz-Anton Gause. Gemütlich soll es werden, so wie ein echtes Wohnzimmer - ein Ort zum zurücklehnen, nachdenken, zusammensitzen - und lesen. Am Freitagabend, 19 Uhr heißt es: Füße hochlegen, um den von Seefahrern und kauzigen Wirten bevölkerten Erzählungen von Christian Wöllecke zu lauschen, dem frechen Sprachwitz von Clara Ehrenwerths "Absagen", den mythisch-weltumspannenden Gedichten der frischgekürten "Harald Gerlach"-Stipendiatin Daniela Danz und den aufwühlenden "Bamberger Elegien" des polarisierenden Dschungelherren Alban Nikolai Herbst. Dem Thema "armer Poet" wird sich am Samstagnachmittag, 15.30 Uhr, in der Gesprächsrunde "Selbstständig als Schriftsteller" genähert.

Dazu werden zwei Literaten, ein Verleger, ein Pirat und eine Kulturagentin an den Stubentisch gebeten. Mit ihnen kann das Publikum über Aspekte des gegenwärtigen literarischen Lebens reden - über: "Wovon lebt ihr eigentlich?", das Urheberrecht, den Weg zur ersten Veröffentlichung oder die romantische Vorstellung vom Erfolg der digitalen Bohème. Der Samstagabend steht ab 20 Uhr mit einer Preisträgerlesung ganz im Zeichen der literarischen Hoffnungsträger: Eine Auswahl der aktuellen Gewinner des Eobanus-Hessus-Schreibwettbewerbs und des Wettbewerbs des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen tragen Texte vor. Und damit der Abschied aus der wohligen Wortwechsel-Wohnstube nicht so schwer fällt, gibt es am Sonntag zum abschließenden Katerfrühstück Performances vom Slam-Poeten Felix Römer, Steve Kußin und Tobi Krone, der "Lovely Lobeda"-Stimme des Campusradios.

Das Sonntags-Katerfrühstück wird gesponsert vom Bioladen Grünschnitt und vom russischen Laden "Kolobok", die in der Zwätzengasse ansässig sind. Hier sowie in der Fleischerei Petersohn geben die jungen Autoren als Gegenleistung schon am 17., 18. und 19. Juli kurze Lesungen zur Mittagszeit. Wer also einen Vorgeschmack auf das Wortwechsel-Wohnzimmer möchte, der bekommt ihn bei einer Bratwurst in der Fleischerei Petersohn am Dienstag, 17. Juli, 12.30 Uhr, bei Piroggen am Mittwoch, 18. Juli, 12.30 Uhr, im Kolobok oder beim Kaffeekränzchen im Grünschnitt am Donnerstag, 19. Juli, 16 Uhr. Na dann: Guten Appetit!

Wortwechsel-Wohnzimmer im Kunsthof, Ballhausgasse 3, Freitag, 20. Juli, ab 19 Uhr, Samstag ab 15.30 Uhr und Sonntag ab 11 Uhr