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13.09.2016

Worte schaffen Welten: Der 22. Jenaer Lesemarathon steht vor der Tür

von Jördis Bachmann Ostthüringer Zeitung

Katja Müller, die amtiere Leiterin der Ernst-Abbe-Bücherei (links), Ralf Schönfelder vom Verein Lesezeichen und Angela Schubert von der Ernst-Abbe-Bücherei haben die Bücher der geladenen Autoren schon gelesen. Foto: Jördis Bachmann

Der Vorverkauf für den 22. Lesemarathon hat begonnen. Vom 25. Oktober bis 17. November 2016 präsentieren Autoren in Jena ihre neuen Werke.

Jena. "Als wir jung waren und in der Stadt lebten, haben wir sehr viel getrunken. Ich habe viel getrunken, und Ricco hat doppelt so viel getrunken. Wir waren schwer unterwegs, es lief aus dem Ruder, wir verloren die Übersicht. Es ist irgendwann zu viel geworden. Dann wurde ich schwanger, Ziggy kam auf die Welt, und Ricco ging weg?..."

Ihre Erzählungen sind kurz und spröde. Das, was nicht gesagt wird, macht die Tragik der Geschichten aus. Die 46-jährige Autorin Judith Hermann stellt beim 22. Lesemarathon in Jena ihr neues Buch "Lettipark" vor, in dem 17 Kurzgeschichten vereint sind. "Sie gehört sicher zu einem der Höhepunkte unserer Veranstaltungsreihe", sagt Angela Schubert von der Ernst-Abbe-Bücherei.

Vom 25. Oktober bis 17. November 2016 wird der Lesemarathon verschiedene Autoren nach Jena auf die Bühne führen. Die Ernst-Abbe-Bücherei, der Lese-Zeichen-Verein und der Neue Lesehallenverein der Bibliothek veranstalten die literarische Reihe bereits seit 1996. "Wir sehen als Bibliothek auch unseren Auftrag, weniger bekannte und regionale Autoren vorzustellen." Namen wie Judith Hermann seien zwar Selbstläufer und beim Jenaer Publikum bereits sehr beliebt, aber man wolle dem Publikum auch Autoren und Bücher vorstellen, die sie vielleicht ohne den Lesemarathon nicht kennengelernt hätten.

Den Auftakt zum Lesemarathon bildet am 25. Oktober eine Lesung aus Sonetten von William Shakespeare. Mit dem großen englischen Dramatiker wird die Zeit des geschriebenen und gelesenen Wortes eingeleitet.

Danach folgen gleich mehrere Thüringer Autoren, die in Jena bereits ein treues Publikum gefunden haben. Antje Barbendererde erzählt in "Der Kuss des Raben" die Geschichte von Mila, die sich in Tristan verliebt und zwischen Lügen und Geheimnissen der Vergangenheit zerrieben wird (27. Oktober, 10 Uhr). Vor allem bei den jugendlichen Lesern seien ihre Romane beliebt.

Am gleichen Tag, einige Stunden später (19.30 Uhr), folgen die "Thüringer Stimmen". In diesem Buch geben 25 Thüringer Autoren sehr persönlich Auskunft darüber, weshalb sie in Thüringen leben und wie das Land ihr Schaffen geprägt hat. Die beiden Autorinnen Kathrin Gross-Striffler und Antje Babendererde werden dazu mit Jens-Fietje Dwars, der den literarischen Band "Thüringer Stimmen" herausgegeben hat, ins Gespräch kommen.

Zu den Thüringer Autoren, die den Lesemarathon mitgestalten werden, gehört außerdem der TLZ-Redakteur Frank Quilitzsch, der am 8. November aus seinem Buch "Auf der Suche nach Wang Wei" lesen wird. "Schon jetzt haben wir von vielen Bibliotheksnutzern Anfragen zu seinem Buch", sagt Angela Schubert. "Obwohl das Buch noch gar nicht draußen ist." Zwar bevorzuge sie es, die Bücher erst selbst zu lesen, bevor der Autor nach Jena eingeladen wird, doch "manchmal geht das eben nicht".

Bukowski und der schmutzige Blues-Punk

Klüpfel und Kobr beispielsweise sollten bereits im vergangenen Jahr beim Jenaer Lesemarathon zu Gast sein. Das Bestseller-Autorenduo jedoch war nur noch für 2016 zu haben. "Entweder man schlägt dann zu oder riskiert, dass sie wieder ausgebucht sind." So werden Klüpfel und Kobr am 10. November im Volkshaus ihr Buch "In der ersten Reihe sieht man das Meer" vorstellen – auf ihre ganz eigene Weise. "Die beiden präsentieren eher eine Bühnenshow als eine Lesung", sagt Angela Schubert.

Im gleichen Zeitraum wie der Lesemarathon wird der Kinder-Lesemarathon veranstaltet – zum sechsten Mal. Kinderbuchautoren stellen dann für Kinder bis zur 4. Klasse unter anderem Herrn Wolke, die Giraffenaffen oder Käpten Knitterbart vor.

Die meisten Lesemarathon-Veranstaltungen werden direkt im Raum 10 des Volkshauses stattfinden. Doch auch der Kunsthof in der Ballhausgasse wird für eine etwas andere Lesung zum Veranstaltungsort: Mit "Dirty old man" ist der Abend für Charles Bukowski überschrieben. Zu Bukowskis Texten gibt es passenden schmutzigen Blues-Punk (5. November, 20 Uhr).

Und wer es mit Bukowski ernst meint, der bekanntlich der Meinung war, das Leben sei eine "Illusion, hervorgerufen durch Alkoholmangel", der kann am 12. November mit Autor Paul Grote "Die Spur des Barolo" verfolgen und dazu Wein genießen. "Zum ersten Mal haben wir eine Lesung mit Weinprobe und Musik", sagt Angela Schubert. "Unterstützt werden wir dabei von Jacques Weindepot."