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02.02.2013

Worte auf Leben und Tod

von Jördis Bachmann TLZ

„Liebe ist so ne Tasche, die ich für dich trage und sage: Ist überhaupt nicht schwer!“ meint Slammer Renato Kaiser.

Theaterhaus: Der „Dead-or-Alive“-Poetry-Slam geht in die zweite Runde.

Sie haben vor, die Niederlage des vergangenen Poetry Slams nicht auf sich sitzen zu lassen. Die „toten Poeten“ werden Schweiß und Tränen nicht scheuen, um die lebenden Poeten ins Jenseits zu befördern.

Der Poetry-Slam auf Leben und Tod geht in die zweite Runde. Schon im vergangenen Jahr trat das Theaterhaus-Ensemble in einem fulminanten Wort-, Gesangs- und Schauspiel-Gewitter gegen moderne Poeten an. Während die Poetry-Slammer ihre eigenen Texte vortragen, präsentieren die Theaterhäusler Texte und Musik von verstorbenen Poeten – den Wertungsnachteil, dass sie ihre Texte nicht selbst verfasst haben, dürfen sie mit dem Hinzuziehen von Requisiten und Instrumenten, Kostümen und anderen Hilfsmitteln ausgleichen. Das Publikum entscheidet mit Wertungskarten, ob die Darbietungen  der Slammer oder der Schauspieler den Sieg des Abends verdient haben.

Zum Slammer-Team gehören der in Paris geborene und in Berlin lebende Ken Yamamoto, der schon beim letzten „Dead or- Alive“-Poetry-Slam dabei war, die aus Heidelberg stammende Theresa Hahl,  Franziska Holzheimer, die ihre Texte auf Englisch und Deutsch reimt und über den deutschsprachigen Raum hinaus auf unterschiedlichen Bühnen performt, sowie Renato Kaiser, der von sich selbst  behauptet, eine halbe Million Slams gewonnen zu haben – unter anderem in Zürich, Berlin, Hamburg und auf dem Mars.

Gewonnen haben die Slammer allerdings alle schon einmal, egal ob den Poetry-Slam- Cup beim Züricher Festival „Words of Wisdom“ oder die Hessen-Slam-Meisterschaft – die vier Jung-Poeten werden keine leichte Nummer für die Theaterhaus- Gegner. Deshalb haben diese sich viel einfallen lassen: Jonas Zipf und Ella Gaiser werden als Ernst Jandl und Friederike Mayröcker auf der Bühne stehen. „Da hier einer ohne den anderen nicht denkbar ist, zählt das Ganze als ein  Auftritt“, sagt Jonas Zipf und erklärt so, weshalb fünf Schauspieler gegen vier Poeten antreten  werden.

Ziemlich sicher war sich Jonas Zipf schon jetzt, dass Benjamin Mährlein als Rio Reiser gute Chancen hat, wenigstens in die zweite Runde des Slams zu kommen. Schauspieler Sebastian Thiers wird den „Mann im Fahrstuhl“ von Heiner Müller geben, und Yves Wüthrich wird den kriminellen Dichter François Villon verkörpern.

Moderiert wird der Abend von Christian Meyer und André Herrmann. Musik kommt von Schauspielerin Tina Keserovic und Friedemann Ziepert, die als „Samarah an The Incredible Keserovic“  jugoslawische Schlager mit Schuss präsentieren, denn Keserovic steht nicht nur für die Theaterhaus-Darstellerin, sondern auch für den von ihrer Großmutter gebrannten gleichnamigen Raki, von dem sie fünf Liter zum Warmtrinken mitbringt und verteilt.

Veranstaltet wird der „Dead or- Alive“-Slam gemeinsam mit dem Lese-Zeichen-Verein. Finanzielle Unterstützung kommt von Jenakultur und der Sparkassenstiftung Jena-Saale-Holzland.