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29.09.2003

Wort und Bild in Partnerschaft

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Einwöchiges Arbeitstreffen Thüringer Autoren und Bildender Künstler fand in Ranis statt

Das mittelalterliche Wahrzeichen der Stadt Ranis (Saale-Orla-Kreis) ist als Literaturburg inzwischen bekannt. Durch das emsige Engagement des Vereins Lese-Zeichen finden auf Burg Ranis seit 1997 Lesungen sowie einmal im Jahr an zwei Wochenenden die Literatur- und Autorentage statt. Doch nicht allein Schriftsteller gehören zum Bild. Dies zeigt die Sommerwerkstatt, die unter dem Motto "Sehen, Malen, Schreiben" regelmäßig Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren zusammen bringt. Seit drei Jahren werden die Schüler vom Schriftsteller Matthias Biskupek und dem Maler Andreas Berner betreut. Beide gehörten auch zu den sechs Autoren und sechs bildenden Künstlern, die vergangene Woche unter dem Motto " Weitere Aussichten" gemeinsam in Ranis arbeiteten.
Das Ergebnis des Arbeitstreffens soll ab Dezember in Buchform sowie in einer Wanderausstellung zu sehen sein. Erster Ausstellungsort ist ab 7. Dezember die Galerie Westerheide in Ranis. Zweite Station im Januar die Ernst-Abbe-Bücherei Jena. "Ergebnisorientiert zu arbeiten war uns sehr wichtig" , beschreibt Dr. Martin Straub vom Lese-Zeichen das Anliegen der Zusammenkunft. Dass Schriftsteller und Maler gemeinsam in einer Gruppe arbeiteten, das habe es in Thüringen noch nicht gegeben. Die Idee dazu hatte der Vereinsvorsitzende Hans Westerheide. Selbst als Verleger tätig, arbeitet er zwar für ein Buchprojekt oft mit Schriftstellern und Illustratoren zusammen, wie aber würden sich die verschiedenen Künste auf engem Raum begegnen? Die Landschaft um Ranis und die Burganlage sollten für die notwendige Inspiration sorgen. "Es gab niemand, der nicht von dem Ausblick aus dem Würzgärtchen fasziniert oder von der Kulisse unbeeindruckt war". Und so wundert es nicht, dass innerhalb weniger Tage Texte und eine Vielzahl von Drucken, Grafiken, Gemälden und Installationen entstanden, deren Handschriften, Ansichten, Techniken und Motive äußerst vielfältig sind.
Mitzuerleben und zu beobachten, wie unter gleichen Voraussetzungen der Andere das Erlebte in seinem Werk gestaltet, war ein besonderer Reiz für alle Teilnehmer. "Am Abend haben uns die Autoren ihre Gedichte oder Geschichten vorgelesen", schildert Sergej Uchatsch die für ihn ungewohnte Abwechslung. Mit den Worton "Luft raus? Mal was Neues ausprobieren?" hätte der Grafiker aus Jena am liebsten auch die Autoren zum Malen verführt. In Ranis hat er für die von ihm bevorzugto Drucktechnik Monotypie viele neue Motive gefunden. " Weitere Aussichten" werden nicht nur in seinem Werk folgen, wenn er nun wieder in Jena ist.
" Weitere Aussichten" lautet auch der Titel des im Glaux-Verlag Jena erscheinenden Buches, in dem die in Ranis beteiligten Autoren und Maler ihre Arbeiten präsentieren werden.
"Der Abschluss des Projektes in dieser Form wäre nicht ohne großzügige Förderung möglich gewesen", weiß Martin Straub nur allzu gut und dankt der Stiftung Kulturfonds sowie dem Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst.
Abgeschlossen sind die Arbeiten für alle indes noch lange nicht. Das Erlebte wirkt weiter.
Und die alte Kultstätte Clythenfelsen bei Oelsen will die Lyrikerin Annerose Kirchner aus Gera unbedingt noch mehrfach erkunden.