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20.07.2009

Wo Erinnerung Bescheid weiß

von Annerose Kirchner Ostthüringer Zeitung

Wo Erinnerung Bescheid weiß

Vor 75 Jahren wurde Uwe Johnson geboren
Von Annerose Kirchner Im westmecklenburgischen Klütz hat Uwe Johnson nie gelebt. Trotzdem bekam er in dem kleinen Marktflecken nahe der Ostsee ein Literaturhaus. Klütz steht für das fiktive Jerichow in dem mehrbändigen Roman "Jahrestage , dem Hauptwerk des Schriftstellers. Von dort stammt die zentrale Erinnerungsfigur Gesine Cresspahl, die 1953 die DDR verlässt und ab 1961 in New York lebt. In dem Mammutwerk findet sich auch der Satz: "Heimat ist da, wo meine Erinnerung Bescheid weiß.
Gegen Festlegungen und Bezeichnungen wie "Dichter der deutschen Teilung wehrte sich Uwe Johnson ein Leben lang. Doch ohne die Auseinandersetzung mit der deutsch-deutschen Geschichte, die persönlichen Erfahrungen aus der Nachkriegszeit und der jungen DDR ist seine hartnäckige, bis in die Sprache hin regional beeinflusste komplex strukturierte Literatur undenkbar. "Für lange Zeit war Uwe Johnson in Sprache und Denken Anwalt der Menschen, deren Leben die DDR geprägt hatte[...] , meint der Johnson-Biograf Jürgen Grambow.

Uwe Johnson, geboren am 20. Juli 1934 im pommerschen Cammin, heute Kamién Pomorski, wächst in Anklam auf. Sein Vater wird 1945 in die UdSSR deportiert und kehrt nicht mehr zurück. Johnson studiert Germanistik. Sein Romanmanuskript "Ingrid Babendererde. Reifeprüfung 1953 wird von den DDR-Verlagen abgelehnt und erscheint erst posthum. Nach der Veröffentlichung des Romans "Mutmaßungen über Jakob bei Suhrkamp 1959 siedelt er in die BRD über. Er stößt zur "Gruppe 47 , lebt in New York und erhält den Büchner-Preis. Nach einer Schreibkrise zieht er nach London, wo er vereinsamt und herzkrank, lange verlassen von Frau und Tochter, am 23. Februar 1984, 49 Jahre alt, stirbt.