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03.09.2004

'...wo aber bleibt die reine Poesie'

von Frank Quilitzsch TLZ

Weimar. (tlz/fqu) "... wo aber bleibt die reine Poesie?" - Die letzte Verszeile aus Wulf Kirstens Gedicht "September am Ettersberg" gibt der neuen Reihe in der Weimarer Villa Altenburg das Motto: Bis einschließlich Dezember sind dort in Lesekonzerten Schriftsteller und Dichter aus Deutschland und Tschechien zu erleben.

Den Auftakt bestreiten morgen die Weimarer Lyriker Gisela Kraft und Wulf Kirsten. Ferner sind zu erleben: am 16. Oktober Lutz Seiler (Berlin) und Jan Volker Röhnert (Jena), am 13. November Ines Geipel (Berlin) und am 27. November die Tschechin Eva Profousová. Die Lesungen werden musikalisch von Studierenden der Hochschule für Musik "Franz Liszt" Weimar umrahmt. Zum Abschluss am 11. Dezember ist eine Aufführung von Franz Schuberts "Winterreise" geplant; Martin Stiebert liest dazu aus Peter Härtlings "Der Wanderer".

Die Herbstreihe, die seit dem Kulturstadtjahr 1999 gemeinsam von der Stiftung Weimarer Klassik und dem Lese-Zeichen e. V. ausgerichtet wird, gehört inzwischen zur guten Tradition in der Klassikerstadt und darf sich in der "Altenburg" auf historische Vorbilder berufen. Im Salon von Franz Liszt und Corolyne zu Sayn-Wittgenstein wurden schon in der Vergangenheit Matineen, Lesungen und Hauskonzerte veranstaltet. Mit der Musikhochschule und dem Franz-Liszt-Zentrum Weimar sowie der Robert-Bosch-Stiftung wurden jetzt neue Partner hinzu gewonnen.

"Die diesjährige Reihe greift die Frage des Dichters nach den Möglichkeiten heutigen lyrischen Schreibens auf und stellt Autorinnen und Autoren unterschiedlicher Generationen, Temperamente und Schreibweisen vor", umreißt Martin Straub vom Lese-Zeichen e. V. das Konzept. Mit Ines Geipel und Eva Profousová kämen auch Schriftstellerinnen zu Wort, die in der DDR und in der Tschechoslowakei keine offizielle Stimme haben durften. Geipel stellt das "Archiv der Widerworte" vor. Profousová widmet sich der "Tschechischen Bibliothek".

Gisela Kraft (geb. 1936) und Wulf Kirsten (geb. 1934) tragen am Sonnabend vor allem neue Texte vor. Kraft engagiert sich im PEN für verfolgte Schriftsteller. Kirsten wurde vielfach mit Preisen bedacht und arbeitet auch erfolgreich als Herausgeber. Begleitet werden die beiden von der in Weimar geborenen und in Berlin lebenden Cellistin Reinhild Oelmüller.

! Sonnabend, 17 Uhr, Weimar, Villa AltenburgWulf Kirsten und Gisela Kraft.