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07.09.2012

Wisente, Ritter und barocke Zier locken Besucher nach Ranis

von Oliver Will Ostthüringer Zeitung

Blick auf die Burg Ranis vom Kindergarten Burgspatzen aus.

In und um Ranis locken gleich mehrere Ausflugziele, die Bewahrung und Lebendigkeit verbinden.

Ranis. Seit Jahrhunderten thront die Burg Ranis auf dem Höhenzug über der Orlasenke. Und im Schutz ihres wachsamen Blickes hat sich eine Landschaft entwickelt, die heute auf kleinem Raum zahlreiche interessante Attraktionen zu bieten hat.

Da ist zum einen die Feste selbst, mit ihrem eigenen, im Vergleich zu anderen früheren Adelssitzen vielleicht etwas groben Charme. Doch gerade weil das Gekünstelte und Stilisierte fehlen, wirken die Mauern, das Zugangstor, die Bauten im Burginneren und der Bergfried so authentisch. Das Mittelalter scheint ganz nah zu sein. Verschiedene Nischen und Winkel laden zum Verweilen. Und über die schroffen Felswände kann der Blick auf die zu Füßen liegende Stadt, die Felder und Wälder auf den benachbarten Hügeln schweifen.

Doch die Burg Ranis ist kein Ort, der nur vom Ruhm vergangener Zeiten lebt. Ihre Mauern sind regelmäßig mit Leben erfüllt. Da ist zum Beispiel das Burgmuseum, in dem neben archäologischen Fundstücken und Exponaten zur Burggeschichte auch eine Porzellansammlung, Zeichnungen und Gemälde regionaler Künstler sowie barocke Möbel zu sehen sind. Eine echte Seltenheit sind die 26 Seismographen und geophysikalischen Geräte aus verschiedenen Jahrzehnten.

Im Torhaus der Burg ist zudem der Verein Lese-Zeichen e.V. zu Haus. Die Literaten haben eine ganz eigene Tradition auf der Burg gestiftet. Monatlich gibt es Lesungen, jeden Sommer die Thüringer Literatur- und Autorentage sowie eine Werkstatt für Nachwuchskünstler. So kommen auf der Burg nicht nur große Namen zur Geltung, sondern gerade auch junge, unbekannte Talente zum Zug. Inzwischen haben sich einige von ihnen im Kunst- und Literaturbetrieb etabliert.

Fast zum Greifen nahe scheint von der Burg Ranis aus das Barockschloss Brandenstein. Auf alten Burgresten erbaut um 1490, in der Zeit des Barocks umgestaltet, zu DDR-Zeiten ruiniert, wird das Schloss seit dem Jahr 2000 durch die Thüringer Familie Kahl rekonstruiert und wiederbelebt.

Der massige Baukörper birgt im Inneren bemerkenswerte Besonderheiten. So verweisen die für Thüringer Schlossbauten einmaligen Rundfenster im Erdgeschoss auf die italienische Baukunst. Besichtigen kann man das herrschaftliche Vestibül und Treppenhaus sowie die Schlosskapelle. In der ersten Etage sind noch originale Wandfassungen und Stuckdecken erhalten. Das außergewöhnliche um 1700 erbaute Salontheater im Schloss, das neben dem Eckhoftheater in Gotha zu den ältesten erhaltenen Einrichtungen dieser Art in Deutschland zählt, harrt noch auf seine Restaurierung. Ein Blick auf den imposanten Schlossboden mit seinen Turmstuben und einer kleinen Ausstellung über Grabungsfunde und Schlossgeschichte ist erlaubt.

Neben geschichtlichen Informationen, gibt es auf Brandenstein viel zu erleben. Familie Kahl betreibt hier einen Münz- und Antiquitätenhandel. Im formvollendeten Café im Burgkeller mit seiner Aussichtsterrasse werden Gäste mit exklusiver Fernsicht über die Orlasenke hinauf zum Thüringer Wald und hausgemachten Torten und Eis verwöhnt. Im lichtdurchfluteten Sonnensaal finden Tagungen, Konzerte und Hochzeiten statt. Die Kunstgalerie bietet wechselnde Ausstellungen aktuell "Bilderbühnen" aus dem DDR-Kunstarchiv Beeskow.

Einen ganz anderen, aber nicht minder zur Gesamszenerie passenden Eindruck vermittelt das Wisentgehege im Landschaftsraum des Naturerlebnisparks zwischen Burg Ranis und Schloss Brandenstein. Seit 2008 lebt hier auf acht Hektar Weidefläche eine Familie europäischer Flachland-Wisente. Inzwischen ist sie auf sechs Tiere angewachsen.

Auch das Wisent-Gehege ist von einer Mischung aus Bewahren und moderner Nutzung geprägt. Zum einen soll hier das größte europäische Landsäugetiere erhalten und erforscht werden, um Erkenntnisse für Naturschutz und Landwirtschaft zu gewinnen. Gleichzeitig sollen die Erkenntnisse direkt und lebensnah der Öffentlichkeit vermittelt werden.

Die drei großen Attraktionen der Stadt Ranis können leicht mit einer Wanderung verbunden werden. Informationen zu weiteren interessanten Objekten gibt es vor Ort oder im Internet. Und wer auch noch die Umgebung erkunden will, hat es beispielsweise nicht weit bis zum Erholungsgebiet an der Talsperre Hohenwarte.

Von Lehen, Bränden und Flüchtlingen - 1000 wechselhafte Jahre Geschichte

Die Burg Ranis wird erstmals 1084 erwähnt. Damals belehnte Kaiser Heinrich IV. Wiprecht von Groitzsch mit dem "Castrum".

Im Jahr 1208 verpfändet König Otto IV. Ranis an die Grafen Heinrich und Günther von Schwarzburg. Da Otto das Pfand nicht wieder einlöst, bleiben Burg und Herrschaft über zwei Jahrhunderte schwarzburgisch. 1298 wird Burg Brandenstein erstmals urkundlich erwähnt. Die Stadt Ranis kommt erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 1381 vor. Wilhelm III. Herzog von Thüringen heiratet 1463 die Schwester des Heinrich von Brandenstein und schenkt diesem Burg und Stadt Ranis samt den dazugehörigen Dörfern. 1571 verkaufen die Herren von Brandenstein den größten Teil ihrer Herrschaft Ranis an Melchior von Breitenbauch. Bei einem Großfeuer brennen 1646 die Gebäude um den Hinterhof der Burg vollständig aus. Der Wiederaufbau dauert zwei Jahre. 1705 verliert die Burg ihre militärische Bedeutung, die Geschütze werden eingeschmolzen. Ludwig Franz von Breitenbauch verlagert 1840 die Landwirtschaft von der Burg auf den "Ludwigshof". 1926 wird die "Heimatforschenden Vereinigung Burg Ranis" gegründet, die ein Museum einrichtet. 1942 wird die Burg an das Deutsche Rote Kreuz verkauft. Sie dient als Schwesternschule, später als Obdach für Umsiedler und Flüchtlinge. Von 1955 bis 1988 wurde Schloss Brandenstein als Jugendherberge genutzt. 1956 werden Gaststätte und Burgmuseum in Trägerschaft der Stadt neu eröffnet. Seit 1987 laufen umfangreiche Sanierungsarbeiten auf der Burg.

Infos und Tipps

Das Museum auf Burg Ranis hat von April bis Oktober dienstags bis sonntags sowie an Feiertagen vorn 10 bis 17 Uhr geöffnet. Von November bis März kann es von Dienstag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr besichtigt werden, an Sonnabenden, Sonn- und Feiertagen von 13 bis 17 Uhr. Gruppenanmeldungen sind unter Tel. (036 47) 50 54 91 möglich.

Der Eintritt ist mit der ThüringenCard frei, für Inhaber der Thüringer-Wald-Card und der red bank card gibt es Ermäßigungen.

Das Café auf Schloss Brandenstein ist von April bis Dezember an Wochenenden sowie Feiertagen von 13 bis 18 Uhr geöffnet. In der Schlosskapelle werden auch Trauungen durchgeführt. Führungen am Wochenende.

Weitere Informationen zum Schloss Brandenstein unter Tel. (03647) 42 08 58. Dort können Interessierte auch näheres zu Ankauf, Verkauf und Schätzung interessanter Münzen und Kunstobjekte erfahren.

Das Wisentgehege im Naturerlebnispark Brandenstein kann immer besucht werden.