Presse - Details

 
12.05.2009

Wir sind alle nur Gast auf dieser Erde

von Schaarschmidt Ostthüringer Zeitung

Greizer Lyriker Günter Ullmann ist tot

Greiz (Schaarschmidt). Der Greizer Lyriker und Autor Günter Ullmann ist tot. Wie seine Familie bestätigte, starb er in der Nacht zum Sonntag im Alter von 62 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit in einer Klinik im sächsischen Kreischa. Ullmann wurde vor allem durch seine aufs Äußerste verknappten Epigramme und Gedichte und seine klare, schnörkellose Sprache bekannt. Er veröffentlichte aber auch Prosa, Kurzgeschichten und Kindergedichte. Für seine literarische Arbeit, die sich in über 20 eigenen Bänden, Anthologien sowie in mehr als 30 Schulbüchern findet, wurde er unter anderem 2004 mit der Adolf-Mejstrik-Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung von 1859 geehrt.
"Wir sind alle nur Gast auf dieser Erde, möglicherweise beginnt jetzt für mich die Zeit des Abschiednehmens, das sehe ich aber keineswegs schmerzlich, sondern als hoffentlich noch langen Prozess , sagte Ullmann zu seinem 60. Geburtstag.

Günter Ullmann wurde am 4. August 1946 in Greiz als Sohn eines Greizer Kaufmanns und einer aus Hohndorf stammenden Bauerstochter geboren und hatte drei Geschwister. "Ich war privilegiert durch Liebe , so Ullmann über seine Kindheit. Der Nähe und Wärme folgt die Kälte des DDR-Regimes. Als der Mitbegründer der Jazz-Formation "media nox gemeinsam mit Freunden 1968 gegen den Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts protestiert, gerät er ins Visier der Stasi. Studium an einer Kunsthochschule wird ihm nach dem Abitur ebenso verwehrt wie eine Ausbildung am Leipziger Literaturinstitut "Johannes R. Becher ; stattdessen die Empfehlung der Kulturbürokraten, sich "inhaltlich und formal an Zeitungsgedichten zu orientieren .

Seine Freundschaften zu Literaten und Regimekritikern wie Jürgen Fuchs oder Reiner Kunze sowie die Auflehnung gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns 1976 tragen nicht dazu bei, Anerkennung bei Kulturfunktionären zu erlangen, erst recht nicht die Genauigkeit und Bildkraft seiner Texte. Er bekommt Publikationsverbot. Die Stasi eröffnet den Operativvorgang "Medium , lässt ihn nicht aus den Augen. Versuche, seine Gedichte im Westen zu veröffentlichen, werden von Stasispitzel Manfred Böhme verhindert. Der IM ist für den Lyriker Saulus und Paulus zugleich, ohne von dessen perfiden Stasidiensten zu ahnen, vertraut er ihm und wird verraten.

Ullmann arbeitet zu dieser Zeit als Bauschreiber. Aber er lässt auch sonst nicht ab vom Wort. 1980 finden seine Gedichte Eingang in die von Heinrich Böll und Günter Grass herausgegebene Anthologie L80. Doch dem Druck der Stasi ist der sensible Dichter nicht gewachsen. Mehrfach muss er stationär in der Psychiatrie behandelt werden. Der Herbst 1989 wird für den Dichter zur Befreiung. Er findet eine Anstellung in der Greizer Stadtverwaltung, wo er bis zu seinem Vorruhestand im Kulturbereich tätig ist. Und endlich dürfen seine Texte frei gedruckt, gelesen, ihre sprachliche Schönheit, ihre Aufrichtigkeit geschätzt werden.

Ullmanns Tod ist für seine Familie und Freunde ein schmerzender Verlust, er ist aber ebenso ein Verlust für die Literatur.