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16.06.2007

Wie Schmetterlinge

von Sabine Neubert ND

Thüringer Literaturtage auf Burg Ranis

Fast immer herrschte eitel Sonnenschein, und wenn es einmal einen Regenschauer gab, dann zogen Lesende und Zuhörer einfach in die Räume hinter dem alten Burggemäuer, bis die Sonne wieder lachte. Die Thüringer Literaturtage auf Burg Ranis feiern nun schon ihr zehnjähriges Jubiläum, und die »Mühen der Ebenen« liegen längst hinter den Veranstaltern oben auf der alten Feste, die im Begriff ist, zu einem architektonischen Schmuckstück im Saale-Orla-Kreis zu werden. Wenn alte Burgmauern Münder hätten, dann könnte die Burg Ranis, um nur diese eine Zahl zu nennen, von mehr als 200 neuen Büchern erzählen, die in den vergangenen zehn Jahren hier vorgestellt wurden.
Man kann immer wieder ins Schwärmen über die Thüringer Junitage kommen, in denen die Natur so herrlich leuchtet. Nahe liegen aber noch andere Natur-Vergleiche. Nachdem Hans Westerheide zusammen mit der GGP Media GmbH Pößneck und der Stadt Ranis die Burglesungen »angestiftet« hatte, war es vor allem der Jenaer Martin Straub von Lese-Zeichen e.V., der mit Bienenfleiß und Beharrlichkeit das Werk »Wabe um Wabe« weiterbaute. Es geht, so sagt er heute, nicht um die übliche Show einer Spaßgesellschaft, wohl aber um Unterhaltung und Entspannung. »Heiteres und Ernstes, Humor und Spannung in gutem Deutsch.«
Das gilt auch für die Jubiläumsveranstaltungen, die mit Texten von Brigitte Reimann eingeleitet wurden. Jens-Fietje Dwars, Wulf Kirsten und Gisela Kraft präsentieren in diesen Tagen auf der Burg die Zeitschrift »Palmbaum«. Im Lese-Café spricht Michael Hametner mit Alexander Osang über seinen neuen Roman »Lennon ist tot«. Außerdem gibt es natürlich wieder Märchenerzähler, Puppentheater und viel Musik, diesmal einen Chanson-Jazz-Rock-Abend mit Angelika Mann und Frank Golischewski.
Ein Jubiläums-Bonbon ist auch dabei, nämlich ein Literaturball, mitveranstaltet von Altmeister Matthias Biskupek. Wer hier nicht reinkommt, tröstet sich vielleicht mit »Erotischem zur Nacht«. Wie ein Spinnennetz hat sich das Literaturgeschehen von Ranis aus über Thüringen gebreitet. Aber wir wissen, Netze sind heute anderer Art. Als kooperative Veranstalter sind mit den Literaturtagen zahlreiche weitere Stätten und Vereine »vernetzt«, der Verband Deutscher Schriftsteller Thüringen, die Weimarer Literarische Gesellschaft, die Literaturhistorische Gesellschaft »Palmbaum«, verschiedene Kirchgemeinden, die Dichterstätte Sarah Kirsch und neuerdings auch der Freundeskreis des Liebhabertheaters Schloss Kochberg. Mit im Netz ? nein, sagen wir lieber, mit im Boot ? sind viele Schulen der Umgebung.
»Ein schönes Buch ist wie ein Schmetterling. Leicht liegt er in der Hand, entführt uns von einer Blüte zur nächsten und lässt den Himmel ahnen.« Diese Sätze Lao-Tses sind Motto zweier Ausstellungen in der neu gestalteten Stadtbibliothek »Bilke« in Pößneck, die die Raniser Literaturtage begleiten. Vom benachbarten Schloss Burgk kommt die Schau »Exlibris ? im Anfang stand ein Name« herüber, und die Stiftung Buchkunst präsentiert »Die schönsten deutschen Bücher 2006«. »Das Auge liest mit«, sagt die Geschäftsführerin der Stiftung, Uta Schneider, und so sind wir wieder bei den Anfängen und den Traditionen, beim Hören und Sehen, bei der Natur und einem Junihimmel über einer alten, schmucken Burg.
Die 10. Thüringer Literatur- und Autorentage auf Burg Ranis gehen noch bis zum 17. Juni.
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