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01.12.2006

Wie öde wäre es in der 'Denkfabrik'

TLZ

Erfurt. (tlz) Ohne Kunst und Kultur kommt den Menschen die Lebensfreude abhanden. Kunst und Kultur sind für das Wohlbefinden der Menschen und des Landes unabdingbar. Diese Botschaft überbrachte Thüringens Kultusminister Prof. Dr. Jens Goebel (CDU) gestern beim "Märchenhaften Abendessen" im InterCity Hotel Erfurt, der schon traditionellen Sponsorenveranstaltung zu Gunsten der "Thüringer Märchentage 2007". Als Schirmherr der von der TLZ initiierten Veranstaltung "verpackte" der Kultusminister seine Botschaft aber in ein selbst geschriebenes Märchen, aus dem er auszugsweise vortrug: "Quell der Lebensfreude".
Das Märchen handelt von fünf Brüdern, die auf der Suche nach dem Quell eines Wunder bewirkenden Wassers sind, um ihre Heimat zu retten, denn in dem Land ist jegliche Lebensfreude erstarrt. Der König hat in der Trauer über den plötzlichen Tod seiner Tochter jegliche künstlerische Aktivitäten untersagt. Die fünf Brüder entschließen sich, in der Fremde nach dem Quell der Lebensfreude zu suchen. Auf dem Weg dahin nehmen die Handwerksburschen vermeintlich unüberwindbare Hürden mit Gesang, Gedichten und Tanz. Mit dem Wasser aus dem Quell der Lebensfreude erlösen sie schließlich ihr Land aus seiner Starre. Eine wirklich märchenhafte Erkenntnis und Botschaft, die der Kultusminister den Teilnehmern des Sponsorenessens gestern überbrachte.

Und die ausgezeichnet zu der Grußadresse von Dr. Martin Straub, dem Vorsitzenden des Lesezeichen e.V., Mitinitiator der Märchentage passte. Straub machte deutlich, wie öde die "Denkfabrik Thüringen" sein würde, wenn es viele lieb gewonnene kulturelle Dinge nicht mehr oder kaum noch gäbe. Auch keine Märchentage mehr. Aber, so Straub: "Märchen brauchen Erzähler und Zuhörer, sie brauchen Maler und Zeichner, Bibliotheken und Verleger, gute Lehrer. Sie brauchen Theater und Puppenbühnen. Sie brauchen es nicht nur an jenen Orten, wo mächtige Schlösser und Burgen stehen. Sie brauchen all das auch hinter den sieben Bergen. Es ist wie im Märchen selbst. Das Eine geht nicht ohne das Andere."

Aus Märchen könne man lernen, wie Dinge zu einem guten Ende zu führen seien, wies der Lesezeichen-Chef in Anspielung auf den von Kultusminister Goebel angekündigen Kulturabbau in Thüringen, der seit Monaten im Land heftig bekämpft wird, den Weg.

Und so wie Minister Goebel mit seinem Märchen eigentlich ein verstecktes Plädoyer für Lebensfreude und vielfältigen Kulturgenuss gehalten und damit die Richtung eines Ausweges aus seinen Kulturabbauplänen (vielleicht) angedeutet hatte, brachte das "Märchenhafte Abendessen" dann auch weitere kulturelle und leibliche Genüsse für die Teilnehmer. Der Erfurter Erzähler Andreas vom Rothenbarth widmete sich angesichts des deutsch-französischen Jahres besonders einigen Märchen aus dem Nachbarbarland. Wahrlich kein Kinderkram, sondern für Erwachsene war denn auch die von Rothenbarth erzählte Märchenfassung des "Dornröschen" von Charles Perrault. Oder die Geschichte vom Wald Broce?liande, in den die Fee Viviane aus Liebe den Zauberer Merlin verzaubert, sprich: eingesperrt hat, um ihn ganz für sich zu haben. Rund 1600 Jahre alt ist dieses überlieferte französische Märchen schon.

Aber auch die von der Erfurter Sängerin Kerstin Radtke vorgetragenen Auszüge aus Solveig Frenzels Buch "Max, das Murmele" gefielen beim Sponsorenessen. Und die Autorin des Kinderbuches über die abenteuerliche Reise zum Meer konnten die Gäste dort auch an der festlichen Tafel kennenlernen, wo InterCity Hotel-Direktor Jürgen Carl Kramer und sein Küchenchef Klaus-Dieter Ulrich ein märchenhaft komponiertes Menü mit ebenso erlesenen Getränken servieren ließen. Alles für den guten Zweck, für die Thüringer Märchentage, denen auch die Versteigerungserlöse zugute kommen von zwei kuscheligen TLZ-Käuzen, die TLZ-Chef vom Dienst Dieter Lücke mitgebracht hatte. Für die TLZ als Mitveranstalter und Initiator des "Märchenhaften Abendessens" hatte Lücke die Bedeutung des Erzählens und Lesens im Kindesalter für die intellektuelle und sonstige Entwicklung der Menschen betont und die Rolle der Märchen für Thüringen unterstrichen - für das "Leseland" und den Tourismus.