Presse - Details

 
07.05.2012

Wie das Ende seinen Anfang nahm: Gedenken an Deportation in Jena

von Jördis Bachmann Ostthüringer Zeitung

70 Jahre ist die erste Deportation von Thüringer Juden her. Foto: privat

Gedenken an die erste Deportation von Thüringer Juden am 10. Mai 1942 ins Lager Belzyce. Der Arbeitskreis Judentum erinnert in der Ernst-Abbe-Bücherei an 11 verschleppte jüdische Mitbürger aus Jena. Jena. Es waren 513 Menschen, die am 10. Mai 1942 von Thüringen nach Belzyce deportiert worden. 70 Jahre ist diese Deportation von Thüringer Juden in das polnische Ghetto her.

Nach Kriegsbeginn 1939 wurden die jüdischen Bürger gezwungen ihre Wohnungen zu verlassen und kamen in sogenannten "Judenhäusern" unter. Dort erreichte sie wenige Tage vor der Deportation die Aufforderung, sich am 9. Mai an Sammelplätzen in ihrer Stadt einzufinden. Mit dem Zug wurden sie nach Weimar gebracht, wo sie in einer Viehauktionshalle festgehalten wurden. Von dort aus wurden sie nach Belzyce verschleppt. "Aus Jena waren es elf Männer und Frauen, die an diesem Tag deportiert wurden", sagt Gisela Müller vom Arbeitskreis Judentum. Die Ehepaare Cohn, Kiewe, Friedmann und Walther gehörten zu den Deportierten. Außerdem der Sohn der Familie Meyerstein und deren Hausmädchen Gerda Abraham sowie Lisa Eppenstein. "Anlässlich des 70. Jahrestages des Beginns der Deportation hat sich ein Thüringer Netzwerk von Vereinen, Initiativen und Arbeitskreisen gebildet, das in ganz Thüringen Gedenkveranstaltungen organisiert", sagt Gisela Müller weiter.

Federführend in diesem Netzwerk ist die Erfurter Gedenkstätte "Topf und Söhne" und die Landeszentrale für politische Bildung. In Jena organisiert der Arbeitskreis Judentum im Foyer der Ernst-Abbe-Bücherei am 10. Mai, 19.30 Uhr die Veranstaltung "Von Thüringen nach Belzyce ohne Wiederkehr". Marc Bartuschka und Rüdiger Stutz werden einen Vortrag zu den Ghettos und Lagern im Distrikt Lublin halten. Außerdem wird aus Briefen der Jenaer Jüdin Lisa Eppenstein vorgelesen, die Belzyce überlebte. Die musikalische Begleitung übernimmt Ilga Herz mit drei Jenaer Schülern, Andrea Kliewer, Maria Zollmann und Elisabeth Huhn. "Ich habe Stücke von Arvo Pärt ausgewählt, der den Friedensgedanken in seine Musik aufnimmt", sagt Ilga Herzog. Es sei besonders ergreifend, diese Veranstaltung am 10. Mai, dem Tag der Bücherverbrennung, in einer Bibliothek abhalten zu können.

"Von Thüringen nach Belzyce ohne Wiederkehr" - am Donnerstag, 10. Mai, 19.30 Uhr im Foyer der Ernst-Abbe-Bücherei.