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27.02.2004

Wie 400 alte Bücher zu einem guten neuen führen

von mko Ostthüringer Zeitung

Steffen Mensching stellt am 4. März auf Burg Ranis sein Buch "Jacobs Leiter" vor

Muss man 4000 Bücher kaufen, um eins schreiben zu können? Die Schwiegermutter stellte ihm diese Frage und gut, dass sich Steffen Mensching davon nicht einschüchtern ließ. So ist ihm mit "Jacobs Leiter" ein gediegenes Buch gelungen, in dem er seine Freude und sein Leid mit den 4000 Büchern dokumentiert bzw. jeweils mit dem Leser teilt. Den im Aufbau Verlag Berlin erschienenen 426-Seiten-Band stellt Steffen Mensching am Donnerstag, 4. März, um 19.30 Uhr im Museum der Burg Ranis in der monatlichen Lesung des Lese-Zeichen e. V., Träger des Thüringer Kulturpreises 2003, vor.

Als Stipendiat in New York lernt der Autor den Antiquaren Jacob kennen. In dessen Laden entwickelt er eine besondere Beziehung zu 4000 deutschen Büchern, die vom geschäftstüchtigen Jacob natürlich gefördert wird. Die Bände sind zu unterschiedlichen Zeiten des 19. und 20. Jahrhunderts mit deutschen Emigranten nach Amerika gelangt. Es ist nicht die Aussicht auf einen materiellen Gewinn, die den Schriftsteller die mitunter wertlosen Bücher erwerben lässt. Vielmehr geben ihm die Geschichten einstiger Besitzer dieser Bände keine Ruhe. So dass es für ihn ein Bedürfnis wird, einige Biographien zu recherchieren.

Die Biographien erzählen dann spannende, so kaum bekannte deutsche Geschichte, etwa am Beispiel der Berliner Trotzkistin Hilde Berger, die Schindlers berühmte Liste tippen sollte und dort an siebenter Stelle bei den Frauen steht, oder des aus dem westfälischen Hartum stammenden Arztes Abraham Jacobi, der im Jahre 1857 in New York mit anderen deutschen Emigranten einen Communisten-Club gründete. Begebenheiten aus DDR-Zeiten, die Steffen Mensching aus Überlieferungen seiner Familie und seiner Biographie schöpfte, bringen einige Schichten mehr in das Buch, das gleichermaßen ernstes Dokument und augenzwinkernde Fiktion ist.

Steffen Mensching ist manchem als Clown bekannt, den er seit 1982 mit Hans-Eckardt Wenzel als Bühnenpartner gibt, anderen sind seine Gedichte etwa aus dem 1979 erschienenen "Poesiealbum 146" bekannt. 1958 wurde er in Berlin geboren und dort lebt er als Autor, Schauspieler und Regisseur immer noch. Leicht ist sein jüngster Roman nicht. Irritierend empfindet man zunächst die Prosa. Ständig wechseln Zeit und Orte und immer wieder werden - übrigens feine, New York gewidmete - Gedichte eingestreut. Doch die verschiedenen Episoden fließen schließlich zu einem großen Werk zusammen.

Bei diesem Buch ist der Weg das Ziel. Die Zeit für diese Wanderung sollte man sich nehmen.