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13.05.2013

Wenzel und Mensching: Wiedervereinigung für einen Abend in Rudolstadt

von Thomas Spanier Ostthüringer Zeitung

Hans-Eckardt Wenzel (links) und Steffen Mensching in Rudolstadt. Foto: Thomas Spanier

Hans-Eckardt Wenzel und Steffen Mensching erinnern in Rudolstadt an den 80. Jahrestag der Bücherverbrennung Rudolstadt.

Die meisten der rund 80 Besucher, die sich am Samstagabend in den Rudolstädter Saalgärten einfanden, dürften sie noch gemeinsam erlebt haben. Das war im vorigen Jahrtausend. Als die Nullerjahre begannen, trennten sich die Wege von Steffen Mensching und Hans-Eckardt Wenzel, die einst als "Karls Enkel" wortwitziges und kluges Clownskabarett verzapften. Danach widmete sich Wenzel, Jahrgang 1955, ganz der Musik und Liedermacherei. Mensching, drei Jahre jünger, konzentrierte sich aufs Schreiben, bis ihn sein Weg nach Rudolstadt führte, wo er Theaterintendant wurde.

Als Peter Reif-Spirek von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen jetzt bei Rudolstadts Kulturchefin Petra Rottschalk wegen einer Veranstaltung mit Wenzel zum 80. Jahrestag der Bücherverbrennung anfragte, hatte die Rudolstädterin die Idee: Wir machen daraus eine kleine Wiedervereinigung von Mensching und Wenzel.

So saßen sie denn erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt wieder zusammen auf einer Bühne, drei Meter auseinander, dazwischen ein Klavier. Im Mittelpunkt zwei Lyriker jüdischer Abkunft, deren Bücher die Nazis 1933 in Flammen aufgehen ließen und die ins Exil gezwungen wurden.

Steffen Mensching las aus den Traumprotokollen von Rudolf Leonhard, die dieser in den 40er Jahren in einem französischen Internierungslager aufschrieb. Entstanden sind fantasiereiche, bedrückende, zuweilen skurrile Dokumente.

Von den über 10 000 Gedichten Theodor Kramers hat Hans-Eckardt Wenzel etwa 300 vertont. Rund ein Dutzend davon trug er in den Saalgärten vor.

Nach zwei Zugaben und jeder Menge Applaus war Schluss. Die wiedervereinigten Mittfünfziger räumten das Feld im kurzzeitig zweckentfremdeten soziokulturellen Jugendzentrum.