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17.06.2015

Wegen großer Nachfrage verlegt: ARD-Literatur-Kritiker Denis Scheck lockt 110 Gäste nach Neustadt

von Daniel Pfletscher Ostthüringer Zeitung

Buchkritiker Denis Scheck lockt 110 Gäste in den AugustinerSaal. Foto: Daniel Pfletscher

Man nennt ihn einen Literaturkritiker aus Leidenschaft: Denis Scheck, Jahrgang 1964, studierte vergleichende Literaturwissenschaft und Zeitgeschichte und arbeitet als Herausgeber, Literaturredakteur und freier Kritiker. Am Montag lobte und kritisierte er live in Neustadt.

Neustadt. Fast 40 Bücher – Romane, Sachbücher und Lyrikbände – türmten sich auf dem Bühnentisch im Neustädter Augustinersaal. Ein ungewöhnlicher Anblick, aber auch einer mit Geschichte. Das kürzlich eröffnete Veranstaltungsgebäude ist das letzte Überbleibsel des einstigen Augustiner-Eremiten-Klosters. Bis zur Auflösung des Konvents im Zuge der Reformation haben aller Wahrscheinlichkeit nach die hier lebenden Mönche viele Bücher studiert und abgeschrieben.

Die Vielfalt des heutigen Buchmarktes ist mit den damaligen Verhältnissen nicht zu vergleichen. Erst recht nicht dessen Fülle. Umso wichtiger sind Buchexperten wie Denis Scheck. Der gebürtige Schwabe zählt zu den renommiertesten Buchkritikern Deutschlands. Am Montagabend war er einer Einladung der Stadtbibliothek Neustadt an der Orla und des Lese-Zeichen e.V. nach Neustadt gefolgt. Seine Bücherschau zählte zu den Höhepunkten der diesjährigen Thüringer Literatur- und Autorentage. ­Alexandra Junge, Leiterin der Stadtbibliothek Neustadt, freut sich über die Früchte, die diese Zusammenarbeit trägt und überhaupt erst ermöglicht: „Ralf Schönfelder ist nicht nur Projektmanager der Literatur- und Kunstburg Ranis, sondern auch Wunscherfüller.“ Denis Scheck stand ganz oben auf ihrer Wunschliste.

Der wortgewandte und nicht minder schlagfertige Buchkritiker führte das Publikum auf unterhaltsame Weise durch die Neuerscheinungen des Buchmarktes. Beinahe druckfrisch waren die – mal kürzer, mal länger – besprochenen Bücher, die er vorstellte. „Druckfrisch“ heißt auch sein preisgekröntes Buchmagazin, das seit mehr als zehn Jahren in der ARD gesendet wird. Auch seiner Buchbesprechungen im Deutschlandfunk wegen ist er vielen Hörern bekannt, die nach Orientierung auf dem Buchmarkt suchen. Allerdings könne Literaturkritik, so Scheck, nur Wegweiser aufstellen. Zurechtfinden müssten sich die Leser schon selbst.

Die Veranstaltung, die wegen der großen Nachfrage nach Karten kurzfristig von der Stadtbibliothek in den Augustinersaal verlegt wurde, lockte 110 Gäste an. Viele von ihnen nahmen einen langen Anfahrtsweg in Kauf, um Denis Scheck live sehen zu können. Besucher aus Mühlhausen reservierten unmittelbar, nachdem das Programm der Literatur- und Autorentage bekannt war, ihre Karten. Auch sie werden Anregungen für künftige Leseabende mit nach Hause genommen haben. Die Veranstaltung hat Lust gemacht aufs Lesen, auch von Büchern solcher Genres, die man sonst eher im Regal stehen lässt.