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05.10.2005

Wasser, Wein und viel Irish Whiskey

von Frank Quilitzsch TLZ

Jena. (tlz) Eine Stadt der träumenden Bücher ist Jena nicht, vielmehr ein aufgewecktes Zentrum der Lese- und Gesprächskultur. Wolfgang Leonhard, Manfred Krug, Harry Rowohlt, Landolf Scherzer, Steffen Mensching, Wibke Bruhns - beim neuen Lesemarathon in der Jenaer Ernst-Abbe-Bücherei geben sich wieder bekannte Autoren den Staffelstab in die Hand. Doch die 11. Auflage (2. bis 13. November) hält eine Besonderheit bereit: Ein Drittel der Beteiligten kommt aus Thüringen. "Wir sind ein Festival, das auf Qualität setzt", kommentierte Martin Straub vom Lese-Zeichen e. V., "und wenn diesmal vier Thüringer Autoren dabei sind, spricht dies für die Qualität der hiesigen Literaturszene."

Das Leben einer Fußball-Legende

Neben Scherzer, der am 7. November sein "Grenz-Gänger"-Buch vorstellt, treten ihrerseits der Weimarer Wolfgang Haak, die Jenaerin Ursula Martin und der Jenaer TLZ-Redakteur Thomas Stridde mit Neuerscheinungen hervor. Stridde bringt seinen Buchhelden Peter Ducke gleich mit; die Ende Oktober erscheinende Biografie der Jenaer Fußball-Legende ist durch den Vorabdruck im TLZ-Sportteil bereits in aller Munde.

Dreimal haben die Veranstalter - die Abbe-Bücherei im Bündnis mit der Stadt sowie Jenaer Buchhandlungen, Literaturvereinen und Sponsoren - den großen Volkshaus-Saal geordert: Zum Auftakt am 2. November, wenn der Hamburger Schauspieler und Synchronsprecher Robert Missler aus Walter Moers neuem Buch "Die Stadt der träumenden Bücher" liest, hofft Angela Schubert auf einen Ansturm "junger Leute bis Anfang dreißig". Manfred Krug, der am 5. November aus seiner Autobiografie vorträgt, bringt auch Gesangsbeispiele zu Gehör und hat dazu die Jazz-Sängerin Uschi Brüning eingeladen, mit der er in der DDR etliche Konzerte bestritt. Begleitet werden die Stars von der "Jazzin´ the Blues"-Band. And last but not least: Old Harry Rowohlt setzt am 13. November den Schlusspunkt. Was da kommt, wissen selbst die Veranstalter nicht, Hauptsache, er kommt.

Auch Wolfgang Leonhard, der am 3. November die Neuauflage seines vor 50 Jahren erschienenen Klassikers "Die Revolution entlässt ihre Kinder" präsentiert, kennt man in Jena bestens. F. C. Delius war bereits mehrmals zu Gast, und Steffen Mensching, der hier nicht nur als Autor, sondern früher auch als Clownspoet zusammen mit Hans-Eckardt Wenzel aufgetreten ist, hat in der Saalestadt ein Heimspiel. Am 12. November stellt Mensching seinen Roman "Lustigs Flucht" vor.

Wer annimmt, dass sich ein Lesemarathon wie von selbst organisiert, irrt gewaltig. Gerade mit den Wiedergängern haben die Veranstalter ihre Erfahrungen. Halte den Kreativen bei Laune, heißt eine Regel, die es zu beherzigen gilt. "Harry Rowohlt liest nur, wenn er Whiskey hat, und es darf um Gottes Willen kein schottischer sein", sagt Bibliothekarin Schubert. "Am besten old ,Paddy´, dann läuft´s wie geschmiert." Landolf Scherzer, weiß man, trinkt gern Rotwein, aber wenn´s sein muss, auch erst nach der Lesung.

Buch ist Buch, und Bier ist Bier

Und was schluckt ein Ex-Fußballer wie Peter Ducke? Die Abbe-Bücherei sei keine Cocktailbar, weist Angela Schubert weitere Getränkewünsche von sich. "Normalerweise bekommen die Autoren von uns ein Glas Wasser und sind zufrieden damit. Was sie hinterher in der ,Noll´ konsumieren, geht nicht auf unsere Rechnung."

Richtig so. Buch bleibt Buch, und Bier ist Bier. Ein Grund mehr, das unermüdliche Engagement der Jenaer Ernst-Abbe-Bücherei zu loben. Heute erhält sie den Thüringer Bibliotheks-Preis, und der Lesemarathon zeigt, wie sehr sie ihn verdient.