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04.10.2008

Was Sagen sagen

von Peter Cissek Ostthüringer Zeitung

Was Sagen sagen
Theresia Johansson liest ihrem Sohn Janis eine in der Ausstellung präsentierte Sage vor. (Foto: OTZ/Peter Cissek)
Theresia Johansson liest ihrem Sohn Janis eine in der Ausstellung präsentierte Sage vor. (Foto: OTZ/Peter Cissek)
Sonderausstellung von Jenaer Studenten auf Burg Ranis eröffnet
Von OTZ-Redakteur Peter Cissek Ranis. Das vor einiger Zeit auf Burg Ranis begangene Thüringer Märchen- und Sagenfest 2008 findet derzeit eine Fortführung und Vertiefung zugleich. 18 Studenten des Lehrstuhls für Volkskunde an der Friedrich-Schiller-Universität Jena zeigen im Museum der Literaturburg ihre Sonderausstellung "WunderWelten - SagenSchätze .

"Sagen und Märchen sind Schätze der Literatur , sagte Bürgermeister Andreas Gliesing in seiner Laudatio zur Eröffnung am Mittwochabend. Er freute sich, dass die Ausstellung an das Sagenfest anknüpft. Dafür dankte er dem Verein Lese-Zeichen, der Literaturakademie und Projektkoordinatorin Anke Scheller, die den Kontakt zum Lehrstuhl, an dem sie einst studierte, herstellte.

Die Studenten der empirischen Kulturwissenschaft beschäftigten sich unter Leitung von Dr. Kathrin Pöge-Alder mit volkstümlichen Erzählungen, die keineswegs nur in Thüringen überliefert wurden, sondern oft an weltweite Vorstellungsmuster anknüpfen. Erzählt wird ein außerordentliches historisches oder wunderbar erscheinendes Ereignis als tatsächlich Geschehenes. Ort und Zeit und der, von dem man diese aufregende Geschichte hörte, spielen deshalb eine wesentliche Rolle. Die Ausstellung auf Burg Ranis gibt einen Einblick in die Forschungsergebnisse der Studenten. Ihre Arbeit werde nach dem Motto "Grimms Märchen und viele Sagen sind doch jedermann bekannt oftmals unterschätzt. "Eigenes neu zu begreifen, so als ob es fremd wäre, ist viel schwerer als manch anderer Studiengang mit Fremdsprache , erklärte Pöge-Alder. Und so machten sich die Studenten zum zehnjährigen Jubiläum ihres Lehrstuhls und dem 450. Uni-Geburtstag an die Arbeit und haben alte Erzählstoffe neu bearbeitet und für die Ausstellungsbesucher wiederentdeckt. Die Schau im Raniser Museum greift Themen wie Zwerge in der Sage, Licht und Dunkel, Bauernopfer, Helden, Drachen, Bärte, Kohle, Gold und vieles mehr auf. Für die wichtigsten Beispiele haben die Studenten ihre Erklärungen auf einen Audioguide (ipod) aufgesprochen, damit sie der Besucher beim Rundgang hören kann.

Doch bevor die Gäste am Mittwochabend die Ausstellung betrachten konnten, trugen die Märchenerzähler Dorothea Alder aus Leipzig und Andreas von Rothenbarth aus Erfurt regionale Sagen über die Ilsenhöhle, den Köhlerbaum, Bärte und Mönche mit bösem Zauber vor.

In der Ausstellung, die bis zum 31. März nächsten Jahres zu erleben ist, sah man Eltern, die ihren Kindern vor den Schaukästen Sagen vorlasen und erklärten. Am 6. November wird es auf der Burg ein Sagen-Kolloquium zur Lehrerweiterbildung geben.

03.10.2008