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12.01.2009

Wadenkrämpfe in der 'Schwarzmahl-Klinik'

von Renate Klein Otsthüringer Zeitung

Geteiltes Publikums-Echo auf den Kabarettabend des Computerspezialisten Dr. Bernhard Röhrig aus Erfurt
Von Renate Klein Schleiz. Gelungen war am Freitagabend ohne Zweifel der Umbau der Schleizer Wisentahalle zu einem lauschigen Platz für Kleinkunst. Die Trennwand teilte den Saal in zwei Bereiche. Mit großen Grünpflanzen und im Halbrund angeordneten Stühlen vor der Bühne war es der Mannschaft der Mehrzweckhalle geglückt, eine behagliche Atmosphäre zu schaffen, gut geeignet für einen Kabarettabend. Im anderen Teil des Saales konnte man sich vor der Veranstaltung oder in der Pause mit Getränken und appetitlichen Häppchen stärken.
Angesagt hatte sich Dr. Bernhard Röhrig zu einem Kabarettabend unter dem Titel "Ihr Zipperlein, kommet! Neues aus der Schwarzmal-Klinik". So suchte sich der zierliche Chef einer EDV-Consulting Firma in Erfurt gleich zu Beginn einen Weg durchs Publikum, um zu verkünden, dass man sich in der Notaufnahme eines Krankenhauses befinde. Man solle sich in Geduld fassen, riet der Kabarettist, denn der Chefarzt sei nach Jena zum Thüringer Ministerpräsidenten geeilt, Ärzte und Schwestern zum Streik nach Berlin. "Bleiben Sie bitte ruhig, Ihnen geschieht nichts, so wie hierzulande nichts geschieht", verkündete Dr. Röhrig und meinte, es nahe Hilfe mit der Gesundheitsreform. "Gesundheitsrisiko Nummer eins ist die Mutlosigkeit", sprach der kleine Mann aus der Notaufnahme, womit er möglicherweise Recht hat. Danach zog er die Gesundheitsreform, Politiker und streitende Wohlfahrtsverbände teils sehr deftig durch den Kakao.

Allerdings schien Dr. Röhrig die Erwartungen des Publikums nicht zu erfüllen. Der Applaus war verhalten, die Besucher zweigeteilt. Während sich einige offensichtlich amüsierten, zeigten andere kaum Reaktion auf die Pointen. Nachdem Röhrig vorgemacht hatte, wie man Kindern die Politik erklärt, griff er auch zur Gitarre und sang mit kräftiger Stimme satirische Texte. Mit einer interessanten Vertonung trug er u.a. Hermann Hesses Gedicht "Stufen" vor, dass man sicher zur Lebens- und damit auch Gesundheitshilfe zählen kann, aber in einem Kabarett war es deplaziert. Gelungen war dagegen ein Lied über Ost-West-Konflikte, das die Gäste mit Lachen quittierten. Aber als Wanderführer, einen grünen Tirolerhut auf dem Kopf, konnte der Mime keine Pluspunkte sammeln.

Zögerlich fiel der Beifall am Schluss aus, doch der Kabarettist war guten Mutes und genehmigte sich sowie dem Publikum eine nicht geforderte Zugabe. Die wiederum fiel so gut aus, dass es doch noch kräftigen Applaus gab. Gereimt in Norddeutsch fragte Röhrig beim Umweltministerium an, ob er seinen 93-jährigen Großvater, der am Greifswalder Atomkraftwerk wohne, im Falle seines Ablebens als Sondermüll ins Endlager bringen müsse und was dabei strahlenschutzmäßig zu beachten sei.

"Es war ein wenig trocken", meinten einige der Gäste nach der Veranstaltung. "Zuviel Politik", sagten andere. Über einen Punkt waren sie sich jedoch einig: Es war auf jeden Fall besser, als vor dem Fernseher zu hocken, und es sei erfreulich, dass in der Wisentahalle verschiedene Veranstaltungen angeboten werden.