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19.05.2007

Vorspiel auf Leipzigs verrufenen Parkbänken

von R. B. Ostthüringer Zeitung

Peter "Cäsar" Gläser liest in Ranis

Ranis (R. B.). Die Thüringer Literatur- und Autorentage auf Burg Ranis (14.- 17. Juni) empfehlen sich in diesem Jahr u. a. mit einer Lesung von Peter "Cäsar" Gläser. Der Musiker liest am 17. Juni um 18 Uhr aus seiner im Frühjahr erschienenen Autobiografie "Wer die Rose ehrt".
Seine Anhänger erfahren darin viel über einen Mann, der einst als Sturzgeburt zur Welt kam, sich später selbst als schüchtern einschätzte und vor allem über alle Facetten einer Ostrocklegende mit seinen Höhen und Tiefen berichten kann. Alles, was ihm so einfiel, hat Gläser in seiner Autobiographie notiert. Kein noch so heikles Thema sollte dabei ausgespart bleiben. Auch nicht sein jahrzehntelanger Kontakt zur DDR-Geheimpolizei. Diese unheilvolle Allianz begann so richtig, als der Leipziger als Wehrpflichtiger in einem Grenzregiment sang. Klar, den Sozialismus lehnte der seinerzeit naive Jugendliche nicht ab. Und so schrieb er als Informeller Mitarbeiter nach eigenen Aussagen periodisch belangloses Zeug auf. Später sei er von den Genossen ab und an über die Gruppe Renft bis zu deren Verbot 1975 befragt worden. Aus diesen Gründen lehnte er auch eine Revivaltour 1990 mit den alten Kollegen ab. Ihm war das einfach zu heiß.

Der andere schwarze Freitag in seinem Leben nennt sich Suff. Cäsar verlor dabei öfters den Überblick. Ziemlich chaotisch präsentiert er diesen Abschnitt seines Lebens. Es fiel dem Künstler nicht leicht, diese Passagen auf Papier zu bringen.

Dem 1949 geborenen Autor gefiel beizeiten die Blockflöte als Instrument. Musik sollte ihn nie wieder loslassen. Als Allrounder schuf Gläser eine Reihe wunderbarer Hymnen (wie "Wer die Rose ehrt"), die einen wichtigen Platz im Ostrock einnehmen. Vor allem hatte der blond gelockte Bursche - weswegen er seit seiner Kindheit wie der berühmte römische Kaiser gerufen wurde - viel Glück. Ausgerechnet Klaus Renft entdeckte ihn, bei einem Vorspiel auf Leipzigs verrufenen Parkbänken. Renft integrierte den unerfahreren Buben in seine legendäre Combo. Chaos und Anarchie bestimmten den Alltag dieser Truppe. Auch die äußeren Begleitumstände bei Konzerten auf lüsternen Dorfsälen der sozialistischen Republik passten ganz gut in dieses wilde Milieu. Solche Erlebnisse formten, ließen über Nacht ein Künstlerdasein zur dauerhaften Droge werden. Nach dem Aus für die Renft-Combo wurde er mit der Gruppe Karussell und Soloprojekten zum Kultstart für die unruhvolle Jugend des Ostens.

Peter "Cäsar" Gläser wird zu seiner Lesung auch singen, kündigt das Programmheft der Literaturtage an, das überall in der Region kostenlos erhältlich ist.

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