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07.02.2003

Von Zirkus Busch bis zum Bibeljahr

von Frank Quilitzsch TLZ

Marathonläufer und Leseförderer: Dr. Martin Straub organisiert seit fünf Jahren die Lesungen für den Thüringer Schriftstellerverband.

13. Thüringer Literatur- und Autorentage setzen Maßstäbe

Jena/Ranis/Gera/Meiningen . (tlz)
Die schlechte Nachricht zuerst: Die Lesefähigkeit der Grundschüler an deutschen Schulen hat sich dramatisch verschlechtert, die Zahl der Analphabeten steigt, und die Bundesrepublik Deutschland spart an der Bildung. Die gute Nachricht gleich hinterdrein:
Im Sommer gibt es die 13. Thüringer Literatur- und Autorentage mit zahlreichen Lesungen in Klubs, Bibliotheken, Schulen, Kirchen, mit literarisch-musikalischen Programmen, Märchenerzählern und Veranstaltungen für die ganze Familie. Beteiligt an Thüringens größtem Bücherfestival vom 13. bis 22. Juni, das in diesem Jahr von der Literaturburg Ranis aus weit nach Ostthüringen ausstrahlen sowie wieder eine Reihe von Veranstaltungen in Meiningen und Limlingerode einbeziehen wird, sind mehr als 50 Autoren, darunter 32 aus der Region. Zu den bekanntesten Namen gehören Reiner Kunze, Büchnerpreisträger Volker Braun, Friedrich Schorlemmer, Wladimir Kaminer und der Kabarettist Bernd-Lutz Lange.
Auch der Träger des Büchnerpreises 2002, Wolfgang Hilbig, ist zu einer Lesung auf der Burg eingeladen. Und erstmals wird mit Paul Busch ein weitgereister Zirkusdirektor in Ranis seine Erinnerungen vorstellen.
Nicht, dass hierzulande die Gelder nur so flössen; um solch ein Maßstäbe setzendes Programm auf die Beine zu stellen, bedarf es reger Literaturvereine, engagierter kommunaler Kulturarbeiter, einer finanziellen Förderung vom Land sowie von Sponsoren. Und zumindest einer Person, die die Konzeption im Kopf und die organisatorischen Fäden fest in der Hand hat. Der wichtigste Initiator und Koordinator für Literaturveranstaltungen in Thüringen heißt Martin Straub.
Der habilitierte Jenaer Literaturwissenschaftler, der am kommenden Montag 60 Jahre alt wird, steht seit der Gründung 1998 als Geschäftsführer dem Lese-Zeichen e. V. vor, der als Förderverein des Thüringer Schriftstellerverbandes (VS) fungiert. Der Titel "Thüringer Bücherpapst" würde ihm nicht behagen, eher schon das Attribut Lesemarathonmann. Straub hat als passionierter Langstreckenläufer, der die 42 Kilometer und paar Zerquetschten seit Jahren auf dem Rennsteig absolviert, auch den Jenaer Lesemarathon - ein jährlich von der Abbe-Bücherei veranstaltetes Autorenfestival - mit aus der Taufe gehoben. Ohne ihn wären viele der Schriftstellertreffen, Lesereihen, Schreibwerkstätten und Weiterbildungsveranstaltungen in Thüringen gar nicht vorstellbar. Und ohne sich jemals in die erste Reihe zu stellen, organisiert der Marathonmann unermüdlich das literarische Leben im Land - unter immer schwierigeren Bedingungen.
"Trotz aller Turbulenzen um das Museum, wo das letzte Wort noch nicht gesprochen ist, werden wir an unserem Standort auf Burg Ranis festhalten", beteuert Straub.
"Schon wegen der vielfaltigen synergetischen Effekte." Sorgen bereiten ihm und Sigrun Lüdde, Geschäftsführerin der mitveranstaltenden Literarischen Gesellschaft, auch die Finanzen. Straub lobt die Unterstützung durch das Kunstministerium, doch ohne zusätzliche Spenden von den Stadtwerken Jena-Pößneck und dem Pößnecker Betrieb GGP Media wäre die Qualität nicht zu halten. Und noch immer klaffe eine Lücke, die es schnell zu stopfen gilt.
Neben den Autorentagen betreut der Lese-Zeichen e. V. 2003 noch weitere Veranstaltungen, etwa die Weimarer Lesungen zum Herder-Jahr, den Messeauftritt der Thüringer Autoren, die Thüringer Märchentage, eine deutschirakische Tandemlesung, eine Manuskriptwanderung für Mitglieder des VS, zwei Künstlerwerkstätten in Ranis sowie, in Zusammenarbeit mit der evangelischen Erwachsenenbildung die Jenaer Reihe "Menschheitserfahrungen: Die Bibel". Am 12. März wird sich im Bibeljahr der Literaturwissenschaftler Straub öffentlich mit der Opferung Isaaks und Franz Fühmanns Erzählung "Erzvater und Satan" auseinandersetzen.

Irn Internet:
www.lesezeichen-ev.de