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20.06.2011

Von strengen Vätern und fürsorgenden Müttern

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Foto: Mario Keim

Literarisch-musikalische Zeitreise mit Schauspielerin Thekla Carola Wied auf Burg Ranis

Ranis (OTZ/M.K.). Eine literarisch-musikalische Zeitreise mit Thekla Carola Wied bildete am Sonntag den Abschluss der diesjährigen Literatur- und Autorentage auf der Burg Ranis. Begleitet wurde die bekannte Schauspielerin von den Musikern Manuel Munzlinger (Oboe), HD Lorenz (Bass) und Herbert Götz, (Piano). Im Programm „Siehst Du, wie schön ich dir schreibe“ las die Münchnerin Briefe berühmter Eltern an ihre Kinder.
„Doch auch die Kinder erlangten oft Berühmtheit“ so Wied. Für ihr aktuelles Programm benötigte sie fast drei Jahre Recherchearbeit, sagte sie in einem kurzen Gespräch mit unserer Zeitung. Schon früher war die studierte Theaterschauspielerin mit literarischen Programmen unterwegs, die aktuelle Zeitreise durch die Literaturgeschichte in fünf Jahrhunderten sei aber eine neue Herausforderung.
„Das machen inzwischen viele meiner Schauspielkollegen“, sagte sie bescheiden:
Die 150 Zuhörer in der Breitenbuchhalle der Raniser Burg hörten von strengen Vätern und treusorgenden Müttern und erfuhren dabei viel über die Art und Weise, wie Eltern in vergangenen Jahrhunderten ihre Ideale weitergeben wollten.
Mit dem Kürzel „G.“ unterschrieb Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) einen Brief an seinen Sohn August und für die Vortragende war klar, „dass es der Sohn im Schatten seines übermächtigen Vaters schwer haben würde.“ Nicht für politische Ökonomie, „dafür aber für die Fragen der häuslichen Ökonomie“ interessierte sich in ihren Briefen Henriette Marx (1787-1863), Mutter von Karl Marx, dem Begründer des Kommunistischen Manifestes. Wie viele Briefwechsel es in vergangenen Zeiten gegeben habe, zeige das Beispiel Liselotte von der Pfalz (1652-1722), die mit dem Herzog von Orleans verheiratet war und die 5000 Briefe hinterlassen hat, so Wied. Texte von Martin Luther, Leopold Mozart, Otto von Bismarck, Theodor Fontane und Heinrich Böll gehörten neben weiteren Persönlichkeiten zum Programm.
Die Texte trug die Schauspielerin mit viel Einfühlungsvermögen vor. Die Frau mit dem stets sonnigen Gemüt zeigte bei der Auswahl auch ihren Sinn für Humor und Ironie. „In der Egozentrik waren sich beide ebenbürtig“, sagte sie über Johanna Schopenhauer (1766-1838), die Mutter  des deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer (1788-1860).
In kurzen Anekdoten stellte Thekla Carola Wied jeweils kurz die Protagonisten ihrer Texte vor, ehe sie zu lesen begann. Gekonnt hatte der Oboist und Komponist Munzlinger dafür die zur jeweiligen Zeit passende Musik arrangiert. „Ranis ist eine traumhaft schöne Stadt, es ist zudem eine wunderbare Gegend. Am liebsten würde ich mich hier niederlassen“, sagte Munzlinger, der zuletzt in Ranis Herbert Feuerstein Ende 2009 begleitet hatte.
„Es war ein schöner Abschluss eines gelungenen Wochenendes“, sagte die Neunhofener Autorin Verena Zeltner als Besucherin des Abends. „Auch wenn Frau Wied keine eigenen Texte liest, so klingen diese doch hoch interessant. Als Schauspielerin hat sie die Bodenhaftung bewahrt. Das merkt man an ihrer Ausstrahlung.“
Die gute Stimmung, die ein überaus gelungenes Wochenende auf Burg Ranis hinterlassen hatte, war der guten Laune unter Besuchern und Veranstaltern am Sonntagabend anzumerken.