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12.10.2013

Von Menschen und Wölfen

von Ulrike Merkel Ostthüringer Zeitung

Foto: Dieter Urban

Die Ostthüringer Autorin Antje Babendererde hat nach 15 Indianerbüchern mit "Isegrim" nun einen Thüringenroman geschrieben. Ein Gespräch.

Sie verlassen mit "Isegrim" die Welt der Indianer und betreten die Heimat Thüringen, warum die Umorientierung?

Ich bin eine Bauchschreiberin. Und 2011, als ich mich, wie immer im Januar, an einen neuen Indianer-Roman setzen wollte, merkte ich, dass da nichts kam. In diesem Moment habe ich erkannt, dass ich Abstand brauche. Das heißt nicht, dass sich das Indianerthema für mich erledigt hat, überhaupt nicht. Aber ich brauche Zeit, um einen neuen Blickwinkel zu finden, einen neuen Ansatzpunkt. Natürlich sammle ich immerfort Ideen für neue Romane, aber die finden sich auch hier zuhauf. Eine war ganz präsent: die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland.

Wie packen Sie das Wolfsthema in Ihrem neuen Roman "Isegrim" an?

Eigentlich wollte ich die Geschichte in der Lausitz spielen lassen, wo die Wölfe schon seit mehr als zehn Jahren zum Alltag gehören, und wo natürlich auch die ganzen Kämpfe zwischen Wolfsliebhabern und Wolfshassern ausgefochten wurden. Dann ist mir aber klar geworden, dass, wenn ich meine Geschichten in Deutschland ansiedele, sie in meiner Heimat Thüringen spielen sollten.

Worum gehts genau in "Isegrim"?


Die Geschichte spielt am Rande des Ohrdrufer Truppenübungsplatzes, in einem kleinen erdachten Dorf: Altenwinkel. Hauptfigur ist die 16-jährige Jola. Und es geht um zwei geheimnisvolle Figuren, die in Jolas Heimatwald auftauchen. Eine Wölfin und ein seltsamer Junge. Zugleich spielt Jolas vermisste Freundin eine Rolle. Alina ist vor fünf Jahren verschwunden und gilt als tot. Ihr Mörder hat sich damals selbst gerichtet. Ein dritter Strang des Romans beschäftigt sich mit einem Nachkriegsgeheimnis.

Werden wir künftig noch weitere Thüringer Romane von Ihnen lesen?

Auf jeden Fall.

Woran arbeiten Sie aktuell?


Im Augenblick habe ich Schreibpause. Die Buchmesse steht an, und ich bin viel auf Lesereisen unterwegs. "Isegrim" hat länger gebraucht, als ich dachte. Fast anderthalb Jahre, die mir und meiner Familie Einiges abverlangt haben. Aber es hat auch richtig großen Spaß gemacht. Den frischen Schwung, den ich beim Schreiben verspürt habe, den möchte ich ausnutzen. Das nächste Buch wird deshalb auch wieder in Thüringen spielen.

Wo?


Hier, wo ich zu Hause bin. Wo genau, weiß ich noch nicht.

Auf Ihrer Homepage bedanken Sie sich für Leser­zuschriften.

Ich bekomme total liebe Post. Es ist bewundernswert, dass sich die Jugendlichen wirklich hinsetzen und mir ihre Gedanken aufschreiben.

Was schreiben Ihnen die Jugendlichen? Rezensionen? Oder einfach nur: Wir wollen mehr!

Es ist alles dabei. Auf meiner Homepage können Leser jedes Buch rezensieren. Ich bekomme aber auch persönliche Post. Jugendliche, die mir schreiben, was ein Buch in ihnen ausgelöst hat, wobei es geholfen hat, dass es sie zum Lesen animiert hat oder dazu, hinaus in die Natur zu gehen. Das Ganze ist jedoch auch eine Zeitfrage für mich, denn viele erwarten eine Antwort.

Antworten Sie wirklich allen?


Ich versuche es. Das kann allerdings ein Weilchen dauern. Aber oft helfen mir die Briefe auch, wenn ich mal wieder dasitze und denke: Wozu noch einen Roman schreiben? Es gibt schon so viele Bücher.

Wie fallen die Reaktionen auf "Isegrim" aus?

Das Buch ist im September erschienen und muss jetzt erst einmal gelesen werden. Bisher habe ich mehr positive Rückmeldungen von Erwachsenen und warte noch auf die der Jugendlichen. Natürlich ist mir auch ein bisschen Bange, wie die Indianerfans reagieren. Ja, es wird spannend.

"Babendererde" - Ihr Name ist sehr außergewöhnlich. Woher kommt er?

Von meinem Ehemann. Der ist, wie ich, in Thüringen geboren.

Und was bedeutet der Name?


Er stammt aus dem Norddeutschen und bedeutet so viel wie "über der Erde". Dennoch hoffe ich, dass ich immer genügend auf dem Boden der Tatsachen bleibe.

Antja Babendererde: "Isegrim". Arena. 410 Seiten , 16,99 Euro