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13.10.2012

Von Goethe bis Fukushima: Jenaer Lesemarathon startet

von Frank Quilitzsch TLZ

Max Goldt, der Altmeister des poetischen Humors, kommt mit neuen Texten. Foto: TA

Facettenreichen Genuss bietet der 18. Jenaer Lesemarathon, der vom 15. Oktober bis zum 16. November zahlreiche Autoren zu Lesungen und Gesprächen in die Saalestadt holt. Jena. Drehbuchschreiber bleiben oft im Hintergrund. So auch Albrecht Börner, der die Vorlage zu dem TV-Sechsteiler "Sachsens Glanz und Preußens Gloria" verfasste, der mit Rolf Hoppe in der Hauptrolle über die DDR hinaus bekannt wurde. Börner schrieb zahlreiche Fernsehfilme und lieferte Egon Günther die Idee zum Kinofilm "Die Braut" über Christiane Goethe. 1991 wurde er in den Gründungsbeirat des MDR berufen. Der heute 83-Jährige liest am Montag, 15. Oktober, zur Eröffnung des 18. Jenaer Lesemarathons aus seiner Autobiografie "Fortschritt auf dem Holzweg - Erinnerungen eines Hinterwäldlers", mit der er auch hinter die Kulissen des MDR leuchtet. Auch wenn beim bis zum 16. November von der Ernst-Abbe-Bücherei mit dem Lese-Zeichen e.V. und zahlreichen Kooperationspartnern ausgerichteten Literaturfestival in diesem Jahr die ganz großen Namen fehlen, so bietet es dennoch Lesegenuss in verschiedensten Facetten. Max Goldt, der Altmeister des poetischen Humors, stellt unter dem Motto "Die Chefin verzichtet" neue Texte vor (18. 10. im Volksbad). Der 60-jährige Lutz Rathenow liest in seiner Geburtsstadt eine Textcollage von "Mit dem Schlimmsten wurde schon gerechnet" bis "Gezwitscher, Gelächter, Getöse" (24.10.). Und der Lyriker Lutz Seiler diskutiert in Schillers Gartenhaus mit seinem Publikum über zeitgenössische Poesie (30.10.). Höhepunkte bieten neben der TV-Moderatorin Susanne Fröhlich, die aus ihrem Bestseller "Lackschaden" liest (29.10. im großen Saal des Volkshauses) die Sachbuch-Autoren Edgar Most mit "Sprengstoff Kapital - Wahrheiten zur Krise" (25.10.), Jürgen Roth mit "Gazprom - das unheimliche Imperium" (17.11.) und Henning Scherf mit "Wer nach vorne schaut, bleibt länger jung" (13.11.). Ein Vorzug des Jenaer Lesemarathons ist es, dass er viele Mitveranstalter ins Boot holt. So die Imaginata, wo die Weimarer Theologin Marie-Elisabeth Lüdde mit rumänisch-deutschen Künstlern (dem Schriftsteller Horst Samsun und der Pianistin Vanda Albota) ins Gespräch kommt (8. 11.), oder das Romantikerhaus, in dessen Reihe "Romantischer Realismus" über Fortschritt im Zeichen der Katastrophe von Fukushima diskutiert wird (20.10., mit Ulf Erdmann Ziegeler und Prof. Carsten Gansel). Es gibt ein Solo für "Werthers Lotte" (17.10. mit Gertrud Gilbert), und auch die Villa Rosenthal ist mit ihrer Bildwelten"-Ausstellung zu Christa Wolf ins Festival integriert (Hörbuchpremiere am 19.10.).