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08.02.2014

Von der Sehnsucht nach einem anderen Leben

von Dietmar Ebert TLZ

Die Südthüringerin Ursula Schütt erzählt in leisen Tönen

Drei literarische Reihen hat Jens-Fietje Dwars mittlerweile im quartus-Verlag Bucha bei Jena begründet. Neben der seit 2005 existierenden „Schwarzen Reihe“ (EDITION ORNAMENT) hat er die QUARTUS-MINIATUREN und die „Weiße Reihe“ ins Leben gerufen. Band 1 der QUARTUS-MINIATUREN trägt den Titel Dunkelkammer  und enthält lyrische Prosa der in Weimar lebenden Sängerin und Dichterin Christine Hansmann sowie einen Holzschnitt von Martin Max. Im Band 1 der „Weißen Reihe“ werden unter dem Titel Die dunklen Flecken des Mondes Erzählungen von Ursula Schütt und eine Zeichnung von Gerd Mackensen und im Band 2, Ins Meer gerufen, Gedichte von Hans-Jürgen Döring und Zeichnungen von Werner Löwe präsentiert.

Ursula Schütt, 1941 in Meiningen geboren und heute in Dietzhausen bei Suhl lebend,

hat sich nach ihrer Arbeit als Lehrerin und Bibliothekarin seit 2004 intensiv dem Schreiben zugewandt und mehrere Bücher veröffentlicht: Wie sich der Himmel verwandelt (2007), Das große Fressen. Grimmige Fabeln und fabelhafte Märchen (2009/mit ihrem Ehemann Siegfried Schütt) und Gehen muss ich auf dem Faden Zeit. Gedichte (2011). Für ihre Erzählung Froschkönig  erhielt sie 2012 den Menantes-Preis für erotische Dichtung.

In den elf Erzählungen, die in dem Band Die dunklen Flecken des Mondes versammelt sind, erzählt Ursula Schütt  von der Würde der „kleinen Leuten“, von ihrem Alltag und ihrem bescheidenen Leben. Sie alle suchen nicht sehr viel mehr als diesen „Duft von warmer Milch und Honig, süßen Lindenblüten und noch etwas“, in den Alma und der Junge von nebenan in der Geschichte Weihnachtswunder eingehüllt werden. Diesen Duft hatte Ego, der kleine Engel, hinterlassen. Er war versehentlich aus dem Himmel gefallen und konnte nur zurückkehren, wenn er am Weihnachtsabend einen unglücklichen Menschen ein bisschen Glück schenkt. Dabei hat Alma ihm geholfen. Und sich auch.

Nicht immer nehmen die Geschichten in Ursula Schütts Erzählungsband ein gutes Ende, aber stets versucht die Autorin Aufmerksamkeit für jene zu wecken, die anders leben wollen oder müssen als die Mehrheit der Gesellschaft: auf die Schausteller und Karussell-Betreiber, auf Markus, der sich eine Aus-Zeit von seiner Firma genommen hat, auf Pia, die nicht lesen noch schreiben kann, auf den Mann, den seine Alkoholsucht fest im Griff hat, auf die Frau, die ihren Mann an eine Jüngere verloren hat und vor allem auf Marko, den dicken Wachmann, dem Jenifer durch Diät und Übungen im Fitness-Studio zu einer guten Figur verhelfen will. Marko will nur ein „kleines“, selbst finanziertes Leben, aber auch das wird ihm missgönnt, eines Nachts wird er gefunden, den „Kopf auf der Bordsteinkante aufgeschlagen“, und der „gelbe, volle Mond“ am Nachthimmel zeigte seine „dunklen Flecken“.

Ursula Schütt zeichnet ihre Figuren genau und stark konturiert. Auch wenn sie scheitern und unterliegen, so ist in ihnen doch diese große Sehnsucht nach menschlicher Wärme.

 

Ursula Schütt, Die dunklen Flecken des Mondes, Die Weiße Reihe, Band 1, quartus-Verlag Bucha bei Jena, 2013, 11,90 €