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03.09.2007

Von Brennnesselsuppe und "Blauem Würger"

von Antje-Gesine Marsch Ostthüringer Zeitung

Thüringer Autorenquintett gibt sich am Freitagabend zur Museums- und Kulturnacht in Greizer Bibliothek delikat
Greiz (Antje-Gesine Marsch). Man nehme fünf Thüringer Autoren, gebe ihnen Auszüge ihrer Veröffentlichungen in die Hand, mische Selbstironie und Humor dazu, mixe mit Mutterwitz, würze mit einem Fünkchen Wahrheit und tische das Ganze als delikate Lesung auf. So angerichtet am Freitagabend in der Greizer Bibliothek im Rahmen der Manuskriptwanderung des Verbandes deutscher Schriftsteller Thüringen, die zur 3. Greizer Museums-und Kulturnacht auf dem Kirchplatz Station machte.
Die Bezeichnung "TLQ" steht dabei für das Thüringer Autorenquintett Dr. Martin Straub, Landolf Scherzer, Hans-Jürgen Döring, Matthias Biskupek und Frank Quilitzsch. Die fünf Autoren brachten in der Bücherei vor zahlreichen Zuhörern Auszüge aus jüngst veröffentlichten Werken zu Gehör.

Begann Hans-Jürgen Döring, im wahren Leben Bildungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Thüringer Landtag, den delikaten Literatur-Streifzug mit besinnlicher Lyrik, beispielsweise "La petite morte" und "Obdach" und der kleinen Amourösität "Die Jagd", las Matthias Biskupek im Anschluss aus seinem Buch "Streifzüge durch den Thüringer Kräutergarten". Auf den vielen Spaziergängen durch das Schiefergebirge machten ihm Blüten, Blätter, Öle, Essenzen, Liköre und Duftwässerchen "neue Lust auf das Leben".

"Ich lese jetzt aber auch etwas über das Essen", kündigte er an und tauchte in die Welt der "guten 50-er Jahre" ein, in der es noch "Himmelbrot und Brennnesselsuppe" gab. Bereitete man diese damals noch mit einfachsten, weil preiswerten Zutaten zu, muss es in der heutigen Zeit schon die "Kuh seines Vertrauens" sein, deren Sahne man zur pürierten Feinschmeckersuppe gibt.

Köstlich auch Landolf Scherzers Geschichte "über den Alkohol". Mit einer Flasche deutschem Wodka, genannt auch "Blauer Würger", als Gastgeschenk im Gepäck, kam Scherzer in der Wendezeit ins russische Saratow und geriet ausgerechnet an den "antialkoholischen Präsidenten", der im Zuge der Anti-Alkohol-Kampagne Gorbatschows das Hochprozentige als "Teufelszeug" verpönte, schließlich aber nach zahllosen Rechtfertigungen doch etliche Gläser mit "Sto-Gramm" konsumierte.

Frank Quilitzschs höchst vergnügliche Geschichte "Zungenküsse" entführte in die Welt seiner Schulzeit und die oft unvermeidbaren Einträge in "Poesie-Alben". Quilitzsch nannte sie "Pösie-Alben", da solche Eintragungen, gerade von männlichen Zeitgenossen oft belächelt wurden. Neben so bekannten Zeilen, wie "Sei wie das Veilchen im Moose" oder "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut", waren es auch solche wie "Der Sozialismus siegt", die Quilitzschs Wahl eines Mädchens, mit der er "erste amouröse Erfahrungen" sammeln wollte, höchst beeinflussten.

Dr. Martin Straub würzte die literarischen Delikatessen schließlich noch mit humorvollen Anekdoten aus eigener Feder. In einer Kurzgeschichte spielte auch die Bibliotheksleiterin G. aus G. eine Rolle. Bibliotheksleiterin Corina Gutmann aus Greiz untermauerte dann am Folgetag die These, dass eine Manuskriptwanderung nicht nur rein theoretischer Natur ist, sondern praktischerweise auch zum Weißen Kreuz und der Teufelskanzel führen kann.