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04.05.2005

Volksfest gegen 'Fest der Völker'

von Ulrike Merkel Ostthüringer Zeitung

Theaterhaus Jena plant Gegenveranstaltung zu NPD-Konzert

Von OTZ-Mitarbeiterin Ulrike Merkel Jena. Clowns, Schauspieler, Feuerkünstler und Musiker verleihen am 11. Juni dem Gelände rund ums Theaterhaus das Flair eines Volksfestes - nicht zu verwechseln mit dem so genannten "Fest der Völker", das die NPD am selben Tag auf dem Markt plant. Die Mitarbeiter des Theaters wollen mit ihrem Familienfest vielmehr ein Zeichen gegen die rechtsextreme Konzertveranstaltung setzten, wie Geschäftsführer Roman Rösener betont.

"Wir bleiben hier", verkündet die Crew. Sie hofft, dass auch die Jenaer an jenem Sonnabend nicht fluchtartig die Stadt verlassen oder gar ihre "Kinder evakuieren", sondern mitfeiern. Das gestern vorgestellte Programm verspricht Spektakel und Amüsement. Jenaer Bands präsentieren Reggae, Hip-Hop und Rock. Theater wird mit Puppen, auf Stelzen und versteckt gespielt. Allerdings muss das versteckte Theater nicht gesucht werden. Kleine inszenierte Szenen im Publikum sind als solche nur nicht gleich zu erkennen.

Der Lesezeichen e.V. lädt Autoren und Erzähler ein wie Döblin-Preisträgerin Kathrin Groß-Striffler und Martin Stiebert. Und die "Cirkus AG" des Christlichen Gymnasiums wird so manch akrobatischen Akt darbieten. All die Künstler werden auch dann auftreten, wenn die nationalistischen Heerscharen zum "Fest der Völker" nicht anreisen dürfen. Das richterliche Urteil, ob die NPD-Veranstaltung stattfinden darf, steht noch aus. Momentan ist sie von der Stadt Jena untersagt.

Um ihre Sicherheit müssten die Besucher keineswegs fürchten, versichert die Theaterhaus-Mannschaft. Die Polizei werde den ganzen Tag präsent sein. "Außerdem schützt sich so ein Fest selbst." Geschäftsführer Roman Rösener sieht, wenn überhaupt, "Sicherheitsprobleme am 10. und 12. Juni, den An- und Abreisetagen der Rechtsextremen."

"Die Jenaer dürfen sich nicht einschüchtern lassen", sagt Yvonne Heiter vom künstlerischen Betriebsbüro. Sie und ihr Team hoffen, dass möglichst viele Aktionen gegen Rechts am 11. Juni die Stadt beleben, wie es die Junge Gemeinde "Stadtmitte" mit einem Fest auf der Johannisstraße plant. Das Vorhaben der Gastronomen in der Wagnergasse, ihre Caf-s an diesem Tag zu schließen, kann die Theater-Crew deshalb nicht verstehen.