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26.07.2012

Virtuelles Lexikon erfasst Thüringer Schriftsteller

von Heinz Stade Thüringer Allgemeine

Der Schriftsteller Landolf Scherzer im März dieses Jahres in seinem Arbeitszimmer in Bischleben. Foto: Marco Kneise

 

Ein virtuelles Lexikon Thüringer Schriftsteller von einst bis heute enthält derzeit rund 1800 Einträge. Darunter befinden sich 400 Autorinnen und Autoren, die gegenwärtig im Freistaat leben.

Weimar. Ein Mausklick nur und das kleine Literaturland Thüringen offenbart sich - in unerwarteter Üppigkeit und Vielfalt vom 12. Jahrhundert (Heinrich von Mohrungen, Hugo von Salza) bis in die Gegenwart. Dass auch die klassischen Großdichter Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller in dieser Aufzählung nicht fehlen, versteht sich natürlich von selbst. Sage und schreibe 1800 Einträge umfasst das seit einiger Zeit freigeschaltete, unter www.thueringer-literaturrat.de zu findende Autorenlexikon derzeit bereits; noch einmal zirka 400 werden bis Ende des Jahres hinzukommen. Die überraschend große Anzahl von Einträgen basiert auf einem breiten Literaturbegriff. Neben Lyrik und Prosa (auch jener in Mundart) schließt das virtuelle Nachschlagewerk Archivare, Bibliothekare, Literaturwissenschaftler, Heimatforscher und andere ein, die für die Auseinandersetzung mit Literatur in Thüringen und darüber hinaus Relevanz haben. Außerdem will das Werk dazu anregen, im Literaturland Thüringen bzw. am eigenen Wohnort literarische Entdeckungen zu machen. Wieder zu entdecken sind etwa Minnesänger, Humanisten, Kirchenlieddichter, Chronisten, Kulturhistoriker, Archivare, Bibliothekare und natürlich zahlreiche Dichterinnen und Dichter, die im Spannungsfeld zwischen Erbauungsschriften, Unterhaltungsliteratur, Heimatliteratur, Drama, Schauspiel, Oper, Laienspiel, Essay, Bericht, Prosa und Lyrik tätig waren. Zu diesem Umfeld zählen auch bereits jene Literaten, die - obgleich erst wenige Jahre tot - mitunter schon dem Vergessen anheimzufallen drohen. Schriftsteller wie Armin Müller, Gisela Kraft, Hanns Cibulka, Harald Gerlach, Reinhard Lettau, Siegfried Pitschmann, Walter Werner oder Wolfgang Hilbig seien hier erwähnt. Gerechtfertigt ist es allemal, dass das Online-Lexikon auch die Autoren einbezieht, welche Thüringer Wurzeln haben, aber schon mehr oder weniger lange andernorts leben wie etwa Sarah Kirsch, Ingo Schulze, Sigrid Damm, Tankred Dorst, Lutz Rathenow oder Ron Winkler. Dennoch bleibt für Autorinnen und Autoren, die gegenwärtig in Thüringen wirken, die stattliche Zahl von 400. Bärbel Klässner, Landolf Scherzer, Matthias Biskupek, Steffen Mensching, Antje Babendererde, Ingrid Annel, Franziska Wilhelm, Stefan Petermann oder Patrick Siebert mögen für alle stehen.

Autoren sind auch im Originalton zu hören

Wer hinter der virtuellen Neuerscheinung "Autorenlexikon" ein großes Redaktionsteam vermutet, liegt falsch. Das Lexikon ist das Geschäft vor allem eines Mannes, des in Weimar lebenden Literaturwissenschaftlers und Autors Dr. Jens Kirsten. Seit 2006 ist er für den Thüringer Literaturrat als Projektmanager tätig. Von diesem Job übrig bleibende Zeit gehört dem Lexikon. Aus vorhandenen Quellen, aus Gesprächen mit Autoren und Fachkollegen sowie aus diversen Anfragen bzw. Rückmeldungen zieht er die für eine wertfreie Kurzbiografie relevanten Informationen. Mitunter sieht man Kirsten auch mit einem Aufnahmegerät bei Autoren zu Gast. Das Konservieren von Stimmen und Erfahrungen nutzt er für die zum Lexikon gehörende "Audiobibliothek". In dieser sind Thüringer Autoren im Originalton zu hören - unter den bisher neun auch Gisela Kraft, Wulf Kirsten und Hubert Schirneck. Das Autorenlexikon erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern versteht sich als "work in progress". Vorschläge und Ergänzungen sind jederzeit möglich. Auch etwaige Fehler - der Autor dieses Textes entdeckte zwei und gab sie weiter - lassen sich so rasch korrigieren. Bleibt zu sagen: Dieses Nachschlagewerk ist ein hoch willkommenes Instrument für jeden literarisch Interessierten. Dass es so oder vielleicht noch erweitert um literarische Orte und Stätten einmal auch zwischen zwei Buchdeckeln gebunden erscheinen könnte, sollte nicht ausgeschlossen sein.