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21.01.2006

Virtuell, aber wohltuend

von Marius Koity Ostthüringer Zeitung

Galerie Westerheide aus Ranis freut sich über Kunst- und Künstler-Webseite des Jahres 2005
Von OTZ-Redakteur Marius Koity Ranis. Eine Kunstgalerie in der thüringischen Provinz zu betreiben, ist nicht das leichteste Brot, gibt Marianne Westerheide, Galeristin in Ranis, zu verstehen. Da ist eine Auszeichnung, wie sie sie neulich für ihre Arbeit bekam, schon wohltuend, auch wenn die Ehre einen ausschließlich symbolischen Wert hat, ja virtuell ist.

Die Homepage der vor sieben Jahren eröffneten Galerie, www.galerie-westerheide.de, wurde von der Kunst-Internetplattform grafikboerse.de zur Kunst- und Künstler-Webseite des Jahres 2005 gekürt. Zuvor war die Internetpräsentation schon Webseite des Monats August 2005. Eine Arbeit aus dem Bestand des Hauses - "Die verlorene Stunde", Öl auf Leinwand von Renate Jüttner aus Saalfeld -, die auch unter www.galerie-westerheide.de gezeigt wird, war eines von drei Kunstwerken des Monats August 2005.

"Nichts ist schlimmer, als wenn man etwas macht und keiner merkt es", freut sich Marianne Westerheide über die drei Auszeichnungen. Sie waren eine kleine Serie von Überraschungen, "plötzlich da", denn beworben habe sie sich darum nicht.

Die Kunst-Internetplattform grafikboerse.de, die Künstlern und Kunstinteressierten seit 1998 einen virtuellen Treffpunkt bietet, wird vom Kulturwissenschaftler und Webdesigner Ulrich R. Daemmrich von Süddeutschland aus betrieben. Fünf Fachleute aus Deutschland, Österreich und der Schweiz würden monatlich die bei grafikboerse.de erfassten Homepages durchgehen und dann die Preise vergeben. Auch wenn diese nicht mit einer Zuwendung verbunden seien, soll damit ein Ansporn für die Webseitenbetreiber erreicht werden. Anliegen sei nicht zuletzt, kleinere Galerien zu fördern. Westerheide habe sich die Auszeichnungen u. a. durch "die künstlerische Qualität der auf den Seiten gezeigten Werke" verdient. Ein weiteres Kriterium sei, wie die Arbeiten publiziert werden. "Überlastete Seiten sind genauso ungern gesehen wie übertriebene Flash-Animationen ohne überzeugenden Inhalt", sagt Ulrich R. Daemmrich. Die Meinungen der Besucher von grafikboerse.de "nehmen eine nicht unwesentliche Gewichtung" bei der Wahl der Künstler und Seiten des Monats ein, so der grafikboerse.de-Webmaster.

Blättert man auf den Webseiten der Galerie Westerheide, bekommt man tatsächlich das Gefühl, dass hier die Kunst und die Künstler im Vordergrund stehen. Sachlichkeit und eine gute Grafik sprechen für die Internetpräsentation, die vor etwa sechs Jahren von einem Freund der Familie in seiner Freizeit aufgebaut wurde. Das Bild für die Wand über dem heimischen Sofa ist da zu finden, aber auch die eine oder andere Herausforderung. Man trifft mit Andreas Berner oder Heike Stephan Künstler aus dem Saale-Orla-Kreis an, aber auch aus Armenien und Rumänien. Durchschnittlich 35 Besucher pro Tag zählt die virtuelle Galerie und Zugriffe habe es von fast allen Kontinenten gegeben, aus Ost- und Westeuropa, Australien und Japan, Chile und den USA.

Die Auszeichnungen für ihre Webseiten scheinen Marianne Westerheide überzeugt zu haben, dass das Internet durchaus ein Ort ist, an dem man künstlerisches Schaffen zeigen kann. Seit zehn Jahren vermittelt sie Kunst. "Ich hätte es mir aber nie vorstellen können, dass das so laufen könnte, aber da ist etwas dran", sagt sie heute. So will sie verstärkt Fotokunst im Internet anbieten. Dazu würden sie auch die guten Erfahrungen mit dem 2005er Kunstkalender der Galerie, in dessen Mittelpunkt Jazz-Fotografien standen, ermutigen. Für 2007 wird ein neuer Fotokunstkalender vorbereitet.

Mit der Zeit geht auch die nächste Ausstellung der Galerie. So zeigt Marianne Westerheide ab 22. Februar eine Ausstellung mit digitaler Malerei vom Matthias Roth. Spannung verspricht diese Schau auch dadurch, dass sie unter dem Leitmotiv "Zu Besuch in der DDR" steht.