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17.10.2012

Villa-Rosenthal: Gespanntes Warten auf die neuen Stadtschreiber

von Jördis Bachmann TLZ

Gespannt auf die Arbeiten der neuen Stadtschreiber: Ulrike Ellguth-Malakhov, Projektleitung Villa Rosenthal (von links), Nancy Hünger, Jurymitglied und ehemalige Rosenthal-Stipendiatin, und Jurymitglied Prof. Thomas Honegger. Foto: Jördis Bachmann

Ein Lyriker, ein Dramatiker und zwei Romanciers werden in den kommenden zwei Jahren in die Wohnung des Stadtschreibers in der Rosenthalvilla einziehen. Die fünfköpfige Jury, die für die Auswahl der neuen Clara-und-Eduard-Rosenthal-Stipendiaten verantwortlich war, hat ihre Wahl getroffen.

 

Jena. Nachdem vor zwei Jahren das Stipendium, das mit 1000 Euro pro Monat dotiert ist, erstmals ausgeschrieben wurde, wird Jenakultur nun zum zweiten Mal vier Literaten unterstützen, die jeweils für ein halbes Jahr in der Rosenthal-Villa residieren und hier konzentriert ihrer Arbeit nachgehen können. "Wir hatten eine recht große Auswahl an Bewerbern. Mehr als 70 Exposés sind eingegangen", sagt Jurymitglied Prof. Thomas Honegger vom Institut für Anglistik/Amerikanistik an der Friedrich-Schiller-Universität. Das Angebot des Stipendiums habe sich in der Autorenszene bereits herumgesprochen. Bewerbungen kamen deshalb aus dem gesamten deutschsprachigen Raum.

Die Auswahl der besten acht Bewerber sei der Jury recht leicht gefallen. "Diese acht Literaten jedoch waren sich sehr ebenbürtig. Sich für die vier Stipendiaten zu entscheiden, hat uns dann noch etwas Kraft gekostet", sagt Nancy Hünger, die selbst Rosenthal-Stipendiatin war und zur Jury gehörte.

Entschieden hat sich die Jury für Dmitrij Gawrisch (1982), ein ukrainisch-stämmiger Schweizer Dramatiker, der heute in Berlin lebt. Er überzeugte mit dem Konzept, sich während seiner Zeit in Jena mit dem Nachkriegsverhältnis zwischen sowjetischen Besatzern und der Jenaer Bevölkerung auseinanderzusetzen, und wird voraussichtlich mit dem Theaterhaus zusammenarbeiten.

An einem Erzählband über Jena und Thüringen will der Hallenser Lyriker André Schinkel (1972) in seiner Zeit als Stipendiat arbeiten. Der aus dem Irak stammende Berliner Romanautor Najem Wali (1956) will einen literarischen Vergleich zwischen der Villa Rosenthal und einem ähnlichen Haus im Irak anstellen. Das vermutlich ausgefallenste und mutigste Exposé reichte der Berliner Schriftsteller Ulrich Schlotmann (1962) ein. Er verfasst literarische Kompositionen, in denen die Laute dem Inhalt übergeordnet werden. Es ist eine experimentelle Art mit Sprache und Literatur umzugehen, die mit Klang und Rhythmus spielt. Am Ende der Stipendiatenzeit werden die Ergebnisse öffentlich präsentiert.

Schon von Januar 2013 an soll der erste Literat seine Stipendiatenzeit in Jena beginnen. "Durch die Stipendiaten werden in der Villa verschiedene Generationen zusammengeführt. Sie beleben das Haus, und ihre Arbeiten wirken auch noch nach Ende des Stipendiums und führen zu Kooperationen mit anderen Einrichtungen der Stadt", sagt Ulrike Ellguth-Malakhov, Projektleiterin der Villa.