Presse - Details

 
17.10.2008

Vielleicht war der Dichter schizophren

von jb TLZ

Jena. (tlz/jb) "Das ist mein Anspruch an die Kunst: etwas zu erfinden", sagte einst der 1946 in Jena geborene und 2006 in Berlin verstorbene Gino Hahnemann. Im zweiten "Palmbaum" dieses Jahres, dem insgesamt 47. Heft, werden dem Wort- und Bildsteller, der Lyrik, Film, Performance und Fotografie verband und während der 70er Jahre zur Untergrundszene des Prenzlauer Berges gehörte, 30 Seiten gewidmet. "Bisher unveröffentlichte Texte von Hahnemann, für den die Akademie der Künste in Berlin jetzt ein Archiv einrichtet, sind im neuen Palmbaum zu lesen", sagt Redakteur Jens-Fietje Dwars. Darunter sind Auszüge aus dem 1200 Seiten starken Hahnemann-Tagebuch. Den Umschlag des neuen Journals ziert eine Hahnemann-Fotografien, die eine nackte Person mit leuchtender Körperbemalung zeigt.
Das Motiv passt gut zu einem weiteren Kapitel im neuen Palmbaum: "Die fünf originellsten erotischen Dichtungen, die von verschiedenen Autoren zum Menantes-Preis 2008 eingereicht wurden, haben wir abgedruckt", sagt Dwars. 33 weitere erotische Dichtungen werden separat unter dem Titel "Wehre dich nicht..." veröffentlicht.

Das Titelthema des neuen "Palmbaums" lautet "Literatur in der Schule". "Lehrer aus Thüringen wurden nach ihren Erfahrungen zu Literatur in der Schule befragt, und berichten auf 30 Seiten über den Alltag in der Schule." Der Redakteur Jens-Fietje Dwars selbst gibt ein Angebot zur Interpretation im Schulunterricht: "Ich stelle die Frage: War Goethe schizophren, wenn er Gretchen im ´Faust´ verteidigt und eine Weimarer Kindsmörderin vor 225 Jahren zum Tode verurteilt?". So wird die Gretchenfrage im neuen Palmbaum einmal anders gestellt.

Insgesamt 224 Seiten umfasst das neue Literarische Journal aus Thüringen. Es ist in einer Auflage von 600 Stück erschienen und nun in Buchhandlungen oder direkt beim quartus-Verlag unter der Telefonnummer 03641/619005 erhältlich.

Jens-Fietje Dwars, Redakteur des Palmbaums (links) und Verleger und Gründer des Palmbaums Detlef Ignasiak mit dem neuen Journal und dem Band zum Menantes-Preis 2008. Foto: tlz/Jördis Bachmann