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20.09.2014

Verstorbener Weimarer Schriftsteller Wolfgang Held war wichtiger Autor

von Henryk Goldberg Thüringer Allgemeine

Wolfgang Held starb mit 84 Jahren.Foto: S. Fromm

Weimar. Es bedarf, außer dem Talent, immer auch einer glücklichen Konstellation, wenn ein einzelnes Kunstwerk seine Zeit überleben soll. Als "Einer trage des anderen Last" 1988 in die Kinos der DDR, kam, da war das eine solche Konstellation. Es waren das Land, die Zeit und die beteiligten Künstler.

In dem Land gab es, das weiß man in der Rückschau, die ersten, gleichsam noch sanften, noch hoffenden Anzeichen dessen, was anderthalb Jahre später zu seinem Ende führten sollte. Und in dieser Atmosphäre traf der Film von Lothar Warneke und Wolfgang Held auf ein gespanntes Interesse, das weit über den rein künstlerischen Wert hinausging, der allerdings die Voraussetzung davon war.

Der Autor Wolfang Held war einmal ein Volkspolizist gewesen, der Regisseur Lothar Warneke ein Theologiestudent. Held hatte diesen Stoff schon einmal angeboten, Anfang der Siebzigerjahre, da wurde er noch abgelehnt - zum Glück für den Autor muss man wohl sagen, denn 15 Jahre früher hätte dieser Film nicht werden können, was er dann wurde: Ein leises, auch humorvolles, wenngleich deutliches Plädoyer für den toleranten Umgang miteinander.

Die Geschichte, die Wolfgang Held im Ansatz erlebt hatte, führte den Volkspolizisten Josef Heiliger (!) und den Vikar Hubertus Koschenz in einem Lungensanatorium zusammen. Jörg Pose und Manfred Möck wurden durch das Spielmaterial von Wolfgang Held und die Regie Lothar Warnekes so gut, dass sie beide den Schauspielerpreis der Berliner Filmfestspiele erhielten. Held wurde als erster deutscher Autor in der Kategorie bestes Drehbuch des Europäischen Filmpreises nominiert.

Geschätzt wurde die Gleichwertigkeit, die Balance der beiden Figuren, des Kommunisten und des Christen; geschätzt wurde ihr Dialog auf Augenhöhe. Und unterschätzt wurde die Ignoranz der Macht. Einer Macht, die bereit war, derlei als hüb-sche Girlande zu dulden, doch nicht als ernsthafte Grundlage von Politik. Die Toleranz, für die die Geschichte von Wolfgang Held so vehement plädierte, sie war nur eine Illusion.

Im Juli noch, schon geprägt von seiner Krankheit stellte er in seiner Heimatstadt sein letztes Buch vor "Ich erinnere mich". Ich erinnere mich an ihn als den Schriftsteller, der es schaffte, einen Satz der Schrift zum Titel eines Defa-Filmes zu machen. Allein der leise Humor, der in diesem Umstand liegt, verdient Respekt.