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16.05.2014

Vergessene Dinge im warmen Schein der alten Glühbirne

TLZ

Frank Quilitzsch liest in Jena und wird dabei vom finnischen Duo VOITA! begleitet.

Wandertag für die ganze Familie.

Man feierte im Partykeller, pflegte Brieffreundschaften und rührte im Fotolabor den Entwickler an. Der Autor, der als Kind seinen täglichen Löffel Lebertran verweigerte, erinnert in heiter-ironischen Geschichten an so manch Kurioses, das einst unseren Alltag prägte. Noch einmal erscheinen die Milchkanne und die Handgelenktasche, die Musicbox, die Tanzkarte und die langsame Runde im warmen Licht der Glühbirne.

„Klar, habe ich das alles erlebt! Ich bin doch 20. Jahrhundert. Ich habe die beschriebenen Dinge geliebt und gehasst und mit einigen schwer gelitten“, bekennt der Autor. Alles echt, alles authentisch. Aber auch wahr?

„Na ja, ein bisschen zuspitzen musste ich die Geschichten schon und ihnen ein paar Erfindungen untermogeln, damit sie besser ankommen... Aber das mit dem Lebertran, der Dreieckbadehose und den Schmuserunden stimmt!“

Das neue Buch basiert auf der Kolumne „Rote Liste“ der TLZ und ergänzt Frank Quilitzschs Bände „Dinge, die wir vermissen werden (2002) und „Weißt du noch? Ein Sammelsurium der Dinge, die wir vermissen“ (2006), die inzwischen Kultstatus besitzen. Der Deutsche Karikaturen-Preisträger Nel zeichnete dazu wieder kleine Bilder von ganz eigenem Witz und Charme. 2011 ist auch ein Hörbuch mit einer Auswahl der besten Texte erschienen, eingelesen von Iris Berben und Thomas Thieme (Random House, Köln, 3 CDs). Das bekannte Schauspielerduo brachte sie damals im Volkshaus Jena live zu Gehör.

Die Lesung aus dem neuen Band wird musikalisch vom finnisch-deutschen Duo Varia Linnéa Sjöström und Oliver Jahn begleitet.„,VOITA!’– das ist fantastisch“, freut sich Frank Quilitzsch, der eine besondere Beziehung zu Finnland hat. „Mein Sohn lebt seit einigen Jahren in Helsinki, und ich habe bestimmt schon ein Dutzend Mal in den finnischen Wäldern Urlaub gemacht. Dort finde ich das, was ich sonst am meisten vermisse: die Stille.“

VOITA! bietet Songs, die die finnische Seele in die deutschen Städte bringen. Ihre finnischen Wurzeln und die tiefe Verbundenheit mit der Musik aus ihrem Land finden sich in eigenen Songs wieder. „Spontan habe ich mir überlegt, was ich am Freitag zur deutsch-finnischen Freundschaft beitragen kann“, sagt Quilitzsch. „Es gibt einen neuen Text, der hat auch mit finnischer Musik zu tun. Nein, nicht Tango. Es geht um den fast vergessenen Modetanz Letkiss, der Anfang der 1960er Jahre unter dem Namen Letkajenkka in Finnland entstand und auf dem Volkstanz Jenkka beruht. 1965 wurde er mit dem Instrumental-Hit ,Letkiss’ vom Orchester Roberto Delgado auf deutschen Tanzböden populär. Mein Onkel Rolf hat die Amiga-Single 1965 bei einem Besuch mit nach Moskau gebracht und mir die Tanzschritte gezeigt. Ich war acht Jahre alt und hatte mich unsterblich in die Primaballerina des Bolschoi-Balletts verliebt, die das Dornröschen tanzte. Auch mein Onkel hatte Liebeskummer. Jeden Tag haben wir Letkajenkka aufgelegt...

Frank Quilitzsch: Noch mehr Dinge, die wir vermissen. Klartext-Verlag, Essen, 192 Seiten mit Zeichnungen von Nel. 9,95 Euro, Freitag, 16.Mai, 20.15Uhr, Thalia Jena, Neue Mitte