Presse - Details

 
30.11.2006

Vereinende Kraft, die Neues schafft

von Frank Quilitzsch TLZ

Weimar. (tlz) Thüringer Literaturtage, Thüringer Literaturpreis, Thüringen Bibliothek "Edition Muschelkalk", nächstens (am 7. Dezember im Literaturhaus Weimar) die erste Thüringer Bücherschau mit 36 Thüringer Verlagen und nun, seit gestern, die Gründung eines Thüringer Literaturrats - im Lande der Dichter und Mäzene, so könnte man frohlocken, befindet sich die Literatur 174 Jahre nach Goethe wieder im Aufschwung. Doch hat sie, traditionell kleinteilig und großflächig zersplittert in viele emsig schaffende Vereine, auch eine Stimme? Eine, die überall im Rennsteigstadel und jenseits der grünen Grenze erhört wird?
Sie hat derer zwei. Im Grunde sogar drei. Zwei Sprecher und eine koordinierende Schaltstelle im Hintergrund. Der Schriftsteller Matthias Biskupek vertritt im Literaturrat die Literatur produzierende, der Bibliothekar und Vorsitzende seines regionalen Verbandes Frank Simon-Ritz die Literatur vermittelnde Zunft. Jens Kirsten, Philologe, Publizist und Sohn des Weimarer Dichters Wulf Kirsten, sei die vereinende Kraft, die stets das Gute will und - hoffentlich - auch schafft. Alle drei dienen ihrem Gremium, dem neu gebildeten Thüringer Literaturrat.

Was das sei? "Wir sind gemeinnützig und doch kein Verein, und wir kosten kein Geld", so Sprecher Biskupek. Nein, kein Literaturbüro, Gott bewahre, das hatte man bereits, seinerzeit in Erfurt, bis zur Schließung gefördert mit Landesmitteln. "Wir sind ein freier Verbund von Autoren und Bibliothekaren und rufen die Verlage und Buchhändler auf, sich uns anzuschließen", so Sprecher Simon-Ritz, der sich vorstellen kann, künftig einen Thüringer Verlagspreis ausloben zu lassen.

Der Literaturrat sei eine Art Dachverband, Koordinationsstelle und Sprachrohr verschiedener Vereine und Institutionen, die sich dem literarischen Prozess im Lande verpflichtet fühlen. Eine neue Form des "Zentralismus", kritisiert der Südthüringer Literaturverein, der dem neuen Gremium nicht beitreten will. Neuralgischer Punkt: Die Geschäfte des zwei Mal im Jahr zusammentretenden Literaturrats werden über Jens Kirsten von der Literarischen Gesellschaft mit erledigt, und damit sei das Gremium nicht mehr frei und unabhängig. In der Tat keine ideale, doch die kostengünstigste und eine für alle profitable Lösung. Die neue Projektstelle wird nämlich nicht vom Land Thüringen, sondern ein Jahr lang aus dem Europäischen Sozialfonds gefördert, insofern ein Segen für die heimische, vom Sparzwang gebeutelte Literaturlandschaft. Er wolle die Vereine vernetzen, neue Förderer werben und für einen gemeinsamen Internetauftritt sorgen, versprach Jens Kirsten voller Tatendrang.

Gründungsmitglieder des Thüringer Literaturrats sind der Friedrich-Bödecker-Kreis, die Gesellschaft Anna Amalia-Bibliothek, die Internationale Thomas-Bernhard-Gesellschaft, der Lese-Zeichen e. V., die Literarische Gesellschaft, der Thüringer Bibliotheksverband, der Verband deutscher Schriftsteller Thüringen und die Literarhistorische Gesellschaft Palmbaum e. V. Weitere Gesellschaften, Vereine und Institutionen, die sich für die literarischen Belange in Thüringen einsetzen wollen, sind aufgerufen, dem Literaturrat beizutreten.

i Thüringer Literaturrat c/o Literarische Gesellschaft Thüringen e.V., Telefon: (03643) 776699, Fax: (03643) 776866, e-mail: literarische-gesellschaft@t-online.de