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27.06.2005

Verdrängte Geschichte, Verwirrung der Gefühle

von mko Ostthüringer Zeitung

Christoph Hein zu Gast auf Burg Ranis

Ranis (OTZ/mko). Es ist irgendwo auch die biblische Geschichte des verlorenen Sohnes, die Christoph Hein in seinem Roman "In seiner frühen Kindheit ein Garten" neu schreibt. Inspiriert hat den 61-jährigen Schriftsteller allerdings die dramatische Aktion des Sondereinsatzkommandos GSG 9 heute vor zwölf Jahren auf dem Bahnhof im mecklenburgischen Bad Kleinen, bei dem ein RAF-Terrorist und ein Polizist ums Leben kamen.

Hein vertieft sich in das Danach und beschreibt u. a. die Verwirrung der Gefühle bei den Eltern des Terroristen. Diese leiden, sind sich aber keiner Schuld bewusst, sie verlangen Antworten vom Staat, dem sie treu waren, bekommen aber keine. Nach und nach entfaltet sich unaufdringlich ein Stück verdrängter deutscher Geschichte.

Drei Abschnitte aus dem heuer bei Suhrkamp erschienenen Roman las Hein am Freitagabend bei den Thüringer Literatur- und Autorentagen auf Burg Ranis, und zwar vor einem dankbaren Publikum. Eine Hörerin nahm z. B. die Botschaft mit, nicht alles so hinzunehmen, wie es einem vom Staat gegeben wird.

Den Literaturabend auf der Burg hatte Krimi-Autor Felix Huby abgerundet. Dieser hatte sich schon immer Christoph Hein als "Vorband" gewünscht.