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10.03.2013

Utz Rachowski überrascht mit "Gedichten um einen Hund"

von Udo Scheer TLZ

Utz Rachowski einmal mehr für eine Überraschung gut. Bisher kennt man ihn vor allem als genau beobachtenden Erzähler von suggestiver Kraft, egal ob es um Kindheit im Vogtland oder um schmerzliche Erfahrungen in politischem DDR-Knast geht. Für seine Erzählungen und Essays - zuletzt: "Red mir nicht von Minnigerode" (2006) und "Beide Sommer" (2011) - wurde er mit dem Reiner-Kunze-Literaturpreis ausgezeichnet. Und plötzlich erscheint dieser Rachowski als feinsinnig sprachsensibler Lyriker mit sympathischem Schalk.

Inspiriert von seiner Gastprofessur am Gettysburg College in Pennsylvania letztes Jahr, bringt er Liebesgedichte mit. Das Besondere an ihnen zeigt sich schon äußerlich in der an Pop-Art angelehnten Covergestaltung. Im Inneren sind es kleine Oden, zugleich kalligrafische Kleinodien, an Suki, einen Hund, jedoch keinen gewöhnlichen, sondern eine Cavalier-Prince-Charles-Spaniel-Lady. Und natürlich ist diese Poesie mehr als eine Liebeserklärung an dieses Hündchen, das, sehnsüchtig erwartet, den Dichter auch in Deutschland besucht: "Nein zu sagen / ist sehr schwer // wenn mein kleiner Hund bettelt / um einen Leckerbissen // in dieser Küche // denn niemals wies ab / einen Bettler / der selbst hungerte hier."

Man muss kein Hellseher sein, um zu ahnen, dass Frauen bei diesen Gedichten ganz besondere Schwingungen empfinden. Die Harmonie zwischen Dichter und Hund ist sofort da: "..."soviel Schweigen / von beiden Seiten // zwei die zu oft / angebellt wurden." Diese Kurzgedichte sind ein großartiger Zyklus der Träume und der Sehnsucht nach Glück und Freiheit, mitunter auch mit einem Augenzwinkern, etwa wenn der Dichter erzählt, wie Freunde in Deutschland sich Sorgen machten um seine Gesundheit: "..."sie wussten nicht / dass es Glück ist / das schlank macht / einen kleinen Hund / zu behüten."

Doch die Gedichte ausschließlich um diese hintergründige Liebe kreisen zu lassen, ist Utz Rachowski zu wenig. Zu bewusst ist ihm die Nähe der Larmoyanz. Wohl auch deshalb holt er in drei Langgedichten Dimensionen weit darüber hinaus in den Band, besonders eindrucksvoll in "Culp´s Hill". Da besucht er mit seinen Studenten das Schlachtfeld von Gettysburg, den Ort, wo 1863, vor genau 150 Jahren im Bürgerkrieg die entscheidende Schlacht um die Zukunft der USA geschlagen wurde, heute ein großer, nachdenklicher Feiertag in den Saaten. "..."mancher fragt: Ist Gott / auch einsam // ... nie kamen wir glücklicher / nach Hause als von Culp´s Hill."

Utz Rachowski: Miss Suki oder Amerika ist nicht weit. Gedichte um einen Hund, Mironde Verlag, Niederfrohna, 72 S., 22 Euro