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04.10.2008

Unverkennbar Neubert

von Bruno Skirl TLZ

Bürgel. (tlz) Ihr bevorstehender 70. Geburtstag - sie wurde am 17. November 1938 in Essen geboren - beschert Telsche Neubert viel öffentliche Aufmerksamkeit. Erst zierte eine Arbeit der in Taupadel lebenden Keramikerin den Titel des Faltblattes zum diesjährigen Bürgeler Töpfermarkt. Jetzt legt das Keramik-Museum Bürgel kräftig nach. Die Sonderausstellung "Telsche Neubert - Keramik" wird morgen eröffnet und bis zum 15. März 2009 gezeigt.
Kennern sind die Gefäße Telsche Neuberts schon seit vielen Jahren ein Begriff, die Fangemeinde ist stattlich. Kleinere Personalausstellungen hat es zwar zu DDR-Zeiten gegeben, aber "erstmals kann nun in einer Ausstellung die Entwicklung ihrer Arbeiten von den frühen, bunt bemalten Stücken bis zu den aktuellen heiter-hellfarbigen Fayencen verfolgt werden", sagt Dr. Ulf Häder, Leiter des Keramik-Museums. Es veranstalte die Ausstellung, weil Neuberts Werke "eine markante und unverkennbare Position darstellen". Häder: "Die Keramikerin hat überregionale Bedeutung erlangt."

Da ist der runde Geburtstag willkommener Anlass, das Werk Telsche Neuberts zu würdigen. "Ihre Arbeiten repräsentieren das Töpferhandwerk in seinem besten Sinne", sagt der Museumschef. "Gediegene Ausführung vereint die zweckmäßige und gebrauchsfähige Form mit einem abgestimmten Dekor."

Gerade die fein und detailreich gemalten Dekore sind ein Markenzeichen Neuberts. Noch heute ist sie ihrem Mal- und Zeichenlehrer Franz Vetter dankbar, der sie von 1950 an viele Jahre in Gotha unterrichtete. Im Jahr zuvor war Telsche Thiessen, die nach dem Krieg bei der Großmutter in Schleswig-Holstein lebte, zur Mutter und zu den Geschwistern nach Ohrdruf zurückgekehrt. Wie prägend die Ausbildung im Umgang mit Stift und Pinsel für sie war, macht Telsche Neubert in der Ausstellung deutlich. Sie hat ihr einige der Kindheitszeichnungen beigefügt.

Dem Abitur 1957 in Gotha folgte das Hochschulstudium in Halle/Burg Giebichenstein und 1962 der Abschluss als Diplom-Keramikerin. Ein Jahr zuvor hatte Telsche Thiessen Peter Neubert geheiratet. 1962 kam Sohn Jakob, 1965 Martin und 1969 Johannes zur Welt. Telsche Neubert widmete sich ganz der 1966 nach Jena umgezogenen Familie. "Das habe ich nie bereut. Auch wenn ich damals fast nicht mehr daran geglaubt habe, noch in meinem Beruf arbeiten zu können", sagt sie.

Der Weg dorthin eröffnete sich 1974 nach einer Begegnung mit Christine Freigang - "ihre Engoben haben mich sehr gereizt" - und Walter Gebauer in Bürgel. Der Altmeister half beim Einrichten einer Werkstatt 1979 in der Waschküche des Neubertschen Wohnhauses, spendierte eine Drehscheibe und baute mit Peter Neubert einen kleinen Brennofen. 1982 folgte die Aufnahme in den Verband Bildender Künstler. Seit 1988 leben Neuberts in Taupadel. Dort hatten sie mühevoll das Pfarrhaus saniert und darin eine richtige Keramik-Werkstatt eingerichtet.

1990 erhielt die Keramikerin erste Einladungen zu renommierten Töpfermärkten wie in Kellinghusen, Hamburg, Frechen und Schwerin. "Die weiten Reisen waren ziemlich anstrengend", sagt Telsche Neubert. Aber sie haben sich bezahlt gemacht. Noch heute kommen Kunden aus dieser Zeit von weither nach Taupadel.

i Sonntag, 5. Oktober, 15.30 Uhr, Einführung: Martin Stiebert und Dr. Martin Straub, beide Jena.