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13.06.2017

Unterwegs: Einer für alle, alle für Hans-Jürgen!

von Frank Quilitzsch Ostthüringer Zeitung

Freilich sind wir in die Jahre gekommen, sind in Würde ergraut, und unsere Reihe hat sich gelichtet. Früher hießen wir TLQ – Thüringer Literatur Quintett. Jetzt heißen wir TLQ – Thüringer Literatur Quartett. Wir sind nur noch zu viert. Einer fehlt und wird schmerzlich vermisst. Aber haben wir deswegen an Schwung verloren?

Wir schwingen noch immer. Vielleicht sanfter, einfühlsamer, nachhaltiger. Weniger aus Übermut, mehr geistig. Und das beschwingte Publikum hält weiter zu uns, wie bei den Literatur- und Autorentagen auf Burg Ranis zu erleben war.

Etwa wenn Matthias B. (66) es an seinen Abenteuern als "Rentnerlehrling" teilhaben lässt, Landolf S. (76) aus seiner Landtagsfibel "Der Letzte" vorträgt, Martin S. (74) eine Thüringer Kulturkuriosität nach der anderen zum Besten gibt und Frank Q. (noch 59) mit dem Pösiealbum zur literarischen Einkehr auf das sprichwörtliche Plumsklo lädt.

Ich bin quasi das TLQ-Nesthäkchen und darf deshalb immer als Letzter auftreten.

Das Besondere: Wir lasen sowohl für die brunchenden Zuhörer am Lese-Zeichen-Büffet als auch für unser kürzlich verstorbenes TLQ-Mitglied Hans-Jürgen D. Eine Woche zuvor, am 3. Juni, wäre er 66 Jahre alt geworden.

Hans-Jürgen war es, der uns vor 14 Jahren in Rheinland-Pfalz zu einem Abstecher aufs Hambacher Schloss überredete. Dort gründete sich das TLQ – überparteilich, doch in der Tradition des Hambacher Festes. Mit unserem dichtenden SPD-Kulturstrategen sind wir dann zu tschechischen Kollegen nach Ceské Budejovice gereist.

Das Wichtigste: Wir haben in Ranis wieder zusammengefunden. Klar, hat jeder von uns seine Solokarriere. Doch ist, wie schon bei den Musketieren, der geballte Auftritt viel wuchtiger. Einer für alle! Alle für einen! Das war, das ist noch immer unser Motto. Und: gemeinsam für einen guten Zweck.

Das TLQ las bereits für die Meininger Kinder- und die Kromsdorfer Fahrbibliothek, für Kinder- und Jugendprojekte und die Schiller-Gedenkstätte in Rudolstadt, für ein Begegnungszentrum in Jena und die Stadtbibliothek in Heiligenstadt. Zudem hat es einen Schüler-Schreibwettbewerb unterstützt, an die Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten erinnert und die Ilmenauer gegen rechte Aufmärsche gestärkt.

Am Samstag auf der Literaturburg haben wir uns für Hans-Jürgen ins Zeug gelegt, Anekdoten erzählt und Gedichte von ihm vorgetragen, Verse, die unter die Haut gehen – wie diese: "Eh wir zu Schatten verlöschen / einmal noch aufknallen / auf den Planken des Lebens / Schritt für Schritt freilegen / das Spiel der Engel / fideln und zimbeln / bis es uns zerreißt."

Im Geiste hörten wir ihn lachen.