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19.07.2005

Unter Indianern unterwegs

von Angelika Bohn Ostthüringer Zeitung

Ab heute erscheint in der OTZ als Vorabdruck "Die Suche", ein neuer Roman der Ostthüringer Autorin Antje Babendererde
Von Angelika Bohn Seit sie vor drei Wochen aus den USA zurück kam, hat sie alle Hände voll zu tun: Für den Merlin-Verlag die Druckfahnen ihres Romans "Die Suche" lesen, den die Ostthüringer Zeitung ab heute in Fortsetzungen veröffentlicht. Im September dann ist das Buch im Handel zu haben. Bereits im August bringt der Arena Verlag ein neues Jugendbuch von Antje Babendererde heraus: "Talitha running horse". Darin erzählt die Ostthüringerin von einem Indianermädchen, das sein Herz an ein verwundetes Fohlen hängt. Die Geschichte war ein Auftragswerk des Verlags und anfangs plagten Antje Babendererde Zweifel, ob sie der Aufgabe gerecht werden kann, erzählt sie. Doch dann habe sie ganz viel über Pferde in Erfahrung gebracht und das Schreiben machte auch sehr viel Spaß.

Kürzlich hat die Geschichte ihre Autorin auf eigentümliche Weise eingeholt. Denn in Amerika hat sie sich ganz real um ein verletztes Fohlen gekümmert, das der indianischen Schriftstellerin Winona LaDuke gehört, bei der Antje Babendererde zu Gast war. Sie hat einen Nachmittag dafür gesorgt, dass sich das kleine Tier, wie vom Tierarzt empfohlen, auf seinen vier Beinen bewegte. Wenn Antje Babendererde von ihrer Reise erzählt, wird schnell deutlich, das war kein Urlaub. Seit ein paar Jahren hat die Ostthüringerin Kontakt zum Lakota village found und Christiane Voormann, die von München aus Projekte organisieren. In diesem Jahr waren beide Frauen in Sachen Diabetesprävention unterwegs. 67 Prozent der Lakota im Reservat sind von der Krankheit betroffen. Aufklärung und Alternativen einer gesunden Ernährung aufzeigen, darum ging es den Frauen unter anderem. So kam es, dass die Autorin aus Liebengrün im Reservat gekocht und Essen verteilt hat. Dabei habe sie wieder viele interessante Menschen und Geschichten kennen gelernt. Da passiert auch, dass sie manchmal eine allzu romantische Vorstellung vom ursprünglichen Naturbezug der Indianer korrigieren muss. Denn auch Indianer verlaufen sich in unbekanntem Gelände und greifen zum Handy, wenn sie nicht weiter wissen.

Das Leben und die aktuellen Probleme der nordamerianischen Indianer sind der Stoff, mit dem sich Antje Babendererde nun seit 15 Jahren literarisch beschäftigt. Ihr neuer Roman "Die Suche" ist in Kanada angesiedelt, im Dog Lake Reservat in der Provinz Ontario. Spannung und eine Liebesgeschichte verknüpft sie erneut mit einem aktuellen Problem - ein japanischer Papierkonzern holzt Wald im Reservat ab. Ein kleiner Junge verschwindet. Sein Vater und eine Sozialarbeiterin begeben sich auf die Suche. Magische Traditionen und Globaliserung treffen aufeinander. Für dieses Buch hatte Antje Babendererde in Kanada recheriert. Und als das Wort "Ende" unter dem Text stand, hat sie ihn einer Freundin zum Gegenlesen geschickt, die dort im Reservat lebt. Nur zwei Kleinigkeiten mussten geändert werden, das zeigt, wie genau die Autorin arbeitet.

"Mein erstes Buch", erinnert sie sich, "habe ich ganz von innen heraus geschrieben." Inzwischen arbeite sie viel professioneller. Das heißt jeden Tag schreiben, ab halb sieben, wenn die beiden Kinder zum Schulbus sind. Wenn sie ganz in einen Stoff vertieft ist, schreibt Antje Babendererde auch noch am Nachmittag und Abend.

Die Bücher, die Antje Babendererde veröffentlicht hat, bilden schon einen richtigen Stapel. Allerdings, irgendwelche Reichtümer lassen sich mit dem Schreiben bei kleinen Auflagen nicht verdienen. Aber, und das ist ihr besonders wichtig, die Autorin aus Liebengrün erfährt viel Anerkennung von ihren Lesern in Ostthüringen. Und dass ihr Buch "Lakota moon" jetzt vom Deutschen Kinder- und Jugendbuch e.V. als bestes Jugendbuch im Juli 2005 gekürt wurde, darauf ist sie richtig stolz. (Foto: OTZ/Bohn)