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04.06.2012

Unheimlich komisch: Poetry-Slam-Abend im Theaterhaus Jena

von Stefanie Bühlchen TLZ

Die Protagonisten des Abends: Natalie Hünig, Felix Römer, Josephine Bergholz, Benjamin Mährlein, Sebastian Thiers, Dalibor, Ella Gaiser und Dominique Macri. Foto: Stefanie Bühlchen

Beeindruckend, nachdenklich und unheimlich komisch war der Poetry-Slam-Abend im Jenaer Theaterhaus am Samstag. Für das Aufwärmen des Publikums waren Julius Fischer und André Herrmann vom "Team Totale Zerstörung" zuständig. Sie erklärten die Regeln des Wettstreites und trugen eigene Texte vor.

Jena. Waren die vier Slammer Josephine Bergholz, Dalibor, Felix Römer und Dominique Macri eher für die stillen, nachdenklichen Momente zuständig, so brillierten die Jenaer Schauspieler Sebastian Thiers, Ella Gaiser, Natalie Hünig und Benjamin Mährlein mit ihren zum Schreien komischen Auftritten toter Dichter. Den Wettstreit durfte der Slammer Felix Römer aus Berlin eröffnen. Er ist einer der bekanntesten Slampoeten Deutschlands und seit knapp zehn Jahren in der Szene aktiv. Seinen Beitrag belohnte das Publikum mit viel Applaus und hoher Punktzahl.

Doch auch die toten Dichter vertreten durch vier Jenaer Schauspieler unterhielten das Publikum. Hinaus kam zuerst Natalie Hünig als William Shakespeare. Dieser laberte in bestem Oxford-Englisch los, doch wurde jäh unterbrochen von Sebastian Thiers. "Dich vasteht hier keener", berlinerte er. Schwupps, hatte er von Shakespeare ein rosa Tutu und eine blonde Perücke angehängt bekommen und war Julia aus "Romeo und Julia". Kennenlernen, Balkonszene, Küssen all das musste in sechs Minuten abgehandelt werden. Zack, Schluss. Bühne frei für Josephine Bergholz aus Berlin. Sie beeindruckte mit ihrem Text, der sich mit dem Verlorensein in der Großstadtwelt auseinandersetzte. "Ich bin das Kind der unbegrenzten Möglichkeiten."Doch manchmal wünsche sie sich Grenzen, klare Linien. Wesentlich überhitzter kam daJohannes Brahms (Benjamin Mährlein) auf die Bühne gerannt. In wunderbarstem russischen Dialekt erzählte er von der "vierrrrrrbeinigen Krääääheeeeee", um dann zu gestehen, dass er den Menschen so gern in die Fresse haue. Das Publikum lachte Tränen bei seinem Vortrag.

In die alles entscheidende Endrunde schafften es Ella Gaiser als großartiger Charlie Chaplin in seiner Rolle des "Großen Diktator", Sir William Shakespeare, Dalibor und Dominique Marci.Der Diktator spielte mit einem Luftballon seiner Welt herum, bis sie schließlich zerplatzte: "Trümmerhaufen" konstatierte er. Den Wettstreit haben letztlich die Slammer gewonnen.

Als Fazit bleibt: Ein wundervoller Abend, unterhaltsam auf verschiedene Weisen. Öfter machen!

Am Sonntag, 29. Juli, findet im "Kassablanca" Jena die erste Thüringer Meisterschaft im Poetry Slam statt.