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07.02.2005

Ulrich Plenzdorf räumt in Ranis Missverständnis auf

von M. K. Ostthüringer Zeitung

Rund 100 Interessenten des Landkreises erleben Autor, der Fernsehgeschichte schrieb

Ranis (OTZ/M.K). Ein Schriftsteller sei er nicht, sagte Ulrich Plenzdorf wiederholt am Donnerstagabend während einer Lesung auf der Burg Ranis. Seine Romane seien "verdeckte Drehbücher" gewesen oder eben Rollenprosa. Der als Drehbuchautor bekannt gewordene Berliner schreibe vielmehr auf, was sich im Leben tatsächlich abspielt. "Filme kann man sich nicht aus den Fingern saugen", so der 70-Jährige vor den rund 100 Besuchern im voll besetzten Roten Zimmer. Dennoch steht seine Name nicht nur in Verbindung mit Drehbüchern, sondern gleichzeitig für Lyrik und Prosa.

Die Lesereise, auf der Ulrich Plenzdorf derzeit seine Sammlung von Liedtexten "Ich sehn mich so nach Unterdrückung" vorstellt, sei eine Möglichkeit, ein Missverständnis aufzuklären. "Ich wollte mal dokumentieren, dass es von mir ist und nicht von den Puhdys", stellte der Autor mit einem Augenzwinkern fest und meint damit den Text des Liedes "Geh zu Ihr", das aus Plenzdorfs Film "Die Legende von Paul und Paula" (1973) mit Angelica Domröse und Winfried Glatzeder in den Hauptrollen stammt und vor allem deshalb eine der bekanntesten Hymnen der 1969 gegründeten Rockband geworden ist.

Die Zuhörer in Ranis, die aus vielen Orten des Landkreises zur Veranstaltung des Vereins Lese-Zeichen gekommen waren, schätzen Plenzdorf entweder als Drehbuchautor bekannter Filme oder als Autor solcher Stücke wie "Die neuen Leiden des jungen W" (1972).

Mit Plenzdorf war in Ranis ein weiterer Prominenter zu Gast (analog Helmut Sakowski im Dezember 2000), der für ein bedeutendes Kapitel Fernsehgeschichte steht und schon aus diesem Grund einen hohen Bekanntheitsgrad garantiert. "Die Anzahl der Doktor-, Diplom- und Schülerarbeiten übersteigt die Zahl meiner Werke um ein Vielfaches", verriet der Gast während eines Gespräches mit der OTZ vor Beginn der Lesung. Dass er nach nur 45 Minuten das Lesen abbrach, überraschte zwar, doch bot es den interessierten Besuchern reichlich Gelegenheit, Plenzdorf über sein Verhältnis zum Theater und Film der Gegenwart zu befragen. Auch die Frage, ob er sein neues Buch bereits in den alten Bundesländern vorgestellt hatte, ließen die Besucher nicht aus. "Da waren keine Defizite beim Publikum in Oldenburg", antwortete der Autor mit Blick darauf, dass die Geschichten aus drei Jahrzehnten in vielfältiger Weise das Leben der Menschen im Ostteil Deutschlands beleuchten.