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02.11.2008

Über das Ohr mitten ins Herz

von Katja Grieser Ostthüringer Zeitung

Übers Ohr mitten ins Herz

FIVA, bürgerlich Nina Sonnenberg, rappte in Greiz.

(Foto: OTZ/Katja Grieser)
Gerappte Worte von FIVA in Harmonie mit Lyrik von Nancy Hünger und Kai Agthe
Von Katja Grieser Greiz. Vermutlich waren die meisten der 80, meist jungen Zuschauer am Donnerstagabend nur wegen FIVA gekommen. Die junge Poetry-Rapperin, die bürgerlich Nina Sonnenberg heißt, tourte schon mit "Fettes Brot" und ist zumindest Insidern der Szene ein Begriff. Und in der Greizer Bibliothek - witzigerweise mitten in der Kinderbuchabteilung - zeigte sie, warum sie mit ihrer Wortkunst regelmäßig Preise abräumt. Ihre Texte gehen vielleicht deshalb so nahe, weil viele Leute ähnliche Situationen kennen. So hat sie ein Gedicht für ihren Vater geschrieben, obwohl der sich eigentlich ein Lied gewünscht hatte. Und er soll auch mit dem Inhalt nicht ganz so glücklich gewesen sein, wie FIVA erzählt. "Vätermarsch" nennt sie das Gedicht und sie spricht darin über Szenen im elterlichen Haus nach dem Motto "Hast du deine Füße unter meinem Tisch, wird alles so bleiben, wie es ist". "Ich habe einen sehr liebevollen Vater", betont FIVA jedoch, die nach eigenen Angaben aber streng erzogen wurde. Auch die Frauen der Familie hat die Rapperin mit einem Text bedacht. "Blaue Flecken" nennt sie ihn, in dem sie über offene Wunden und Narben ihrer weiblichen Vorfahren spricht - und über ihre offenen Fragen und "blauen Flecken". Denn sie weiß, wie gut es unserer Generation geht und was die vorherigen mitunter durchmachen müssen: "Ihr habt gekämpft bis hierhin und gebt mir einen Sinn".

Natürlich geht ein Abend mit FIVA nicht ohne Musik. So rappte sie etwa den Titel "Vier Wände", spricht von Leichen im Keller, die gut verborgen bleiben sollen, und vom "Ghetto im Kopf". "Keiner spricht über das, was passiert nachts. Und wer weiß, was passiert, ignoriert das."

Flankiert wurde der Auftritt von FIVA von Kai Agthe und Nancy Hünger, die bereits am Nachmittag bei einem Workshop ihre Lyrik vorstellten. Agthe spricht über die Ostsee, eine Landschaft, "die ähnlich spröde ist wie ich auch", und die er deshalb so faszinierend findet. Einem unbekannten Dichter widmet Kai Agthe seine Zeilen, spricht über den, der Papier fressen muss, wenn er Verse schreiben will. Nancy Hünger nimmt ihr Publikum mit nach Israel, über das sie sagt, es sei ein Glück gewesen, dort sein zu können.

Im Dreierpack gaben die jungen Künstler dann eine Zugabe, jeder schenkte dem Publikum noch ein Gedicht. Und das war offenbar so überwältigt, dass sie die Lyrik mit nach Hause nehmen wollte. Die Bücher von FIVA, die sie mitgebracht hatte, reichten nicht einmal aus. Was für Bibliotheksleiterin Corina Gutmann ein Indikator für die Begeisterung der Zuschauer ist. Gutmann freut sich, dass es ihr in der Reihe "WortKlang" wieder gelungen ist, eine außergewöhnliche Veranstaltung nach Greiz zu holen. Die Worte zum Klingen bringen konnte sie aber nicht allein, deshalb bedankt sie sich bei den Unterstützern Sparkassen-Kulturstiftung, Sparkasse Gera-Greiz und dem Lesezeichen e. V.Komisch, ich bin Hip-Hopperin und steh in der Kinderbuchabteilung.

FIVA bei ihrem Auftritt in der Greizer Bibliothek

02.11.2008