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25.08.2004

Tor zu geheomnisvoller Welt

von Karsten Schaarschmidt Ostthüringer Zeitung

Tausendundeine Nacht bei Prominente im Gespräch

Es war einmal an einem Abend im August. Im großen Park einer kleinen Stadt mit dem Namen Greiz trafen sich in einem Sommerpalais gut 90 Menschen, um Märchen zu hören - Märchen aus Tausendundeiner Nacht. "Es war einmal", sprach der Erzähler und stieß das Tor auf zu der prächtigen, betörenden, zuweilen verwunschenen, mitunter geheimnisvollen Welt der Kalifen und ihren prunkvollen Palästen, zur Welt der duftenden Basare, zur Welt blendend schöner Frauen und der fantastischen Begebenheiten.

Dass diese Ferne der Wunder und des Glanzes greifbar wurde, ist Hermann Wiedenroth, Verleger und Archivar, vor allem aber begnadeter Erzähler und Vorleser, zu verdanken. Doch nicht nur er allein, und seine kraftvolle und ausdrucksstarke Vorlesekunst gaben diesem Abend das Besondere. Denn Dr. Claudia Ott, studierte Arabistik-Expertin, besonders aber geschickte Übersetzerin, schuf mit der neuen deutschen Übersetzung der Märchen aus Tausendundeiner Nacht überhaupt die Grundlage für die Lesung. Am Dienstag in Greiz widmete sie sich jedoch nicht den Worten, sondern den Noten. Das Publikum entzückte sie als Rohrflötenspielerin.
Musikalisches steuerte ebenso Roman Bunka bei. Als virtuoser Oud-Spieler schuf er gemeinsam mit Claudia Ott passende orientalisch-musikalische Klangbilder. Zu Gast war das Trio bei "Prominente im Gespräch", das mit dieser Folge, wie Initiator Harald Seidel sagte, auch "eine Liebeserklärung an den Mittleren und Nahen Osten" aussprechen wolle; trotz und gerade wegen der täglichen Kriegsnachrichten aus dieser Region, die "eine Schatzkammer der Kultur und der Menschheit ist" .
Unterstützt wurde Seidel bei dieser Folge von den" Thüringer Märchentagen" des Lese-Zeichen e. V., der Stadt- und Kreisbibliothek Greiz, der Buchhandlung "Bücherwurm", des Sommerpalais Greiz und des Theaters der Stadt Greiz sowie privater Sponsoren.
Es war einmal, erzählte Wiedenroth dem gespannt lauschenden Publikum von zwei Königen. Beide waren von ihren Ehefrauen hintergangen worden. Einer der Könige nahm dafür besonders grausam Rache.
Jede Nacht heiratete er eine Frau, vollzog mit ihr die Ehe und ließ sie am Morgen hinrichten.
Schahrasad, die Tochter eines Wesirs des Königs, wollte dem Morden mit einer List ein Ende bereiten.

Von schönen Frauen und jungen Männem

Sie ließ sich mit dem König verheiraten, ließ in der Nacht ihre Schwester in den Palast kommen und begann, ihr und dem König Geschichten zu erzählen.
Geschichten, die nicht mit dem Morgengrauen endeten, wohl aber so aufregend und spannend waren, dass der König Schahrasad nicht hinrichten ließ, damit sie in der folgenden Nacht weiter erzählen kann.
Von schönen Frauen handelten die Geschichten, von jungen Männern, die ihnen dienten, von wundersamen Geschehnissen. Geschichten, die schier unendlich scheinen, denn auch dem Greizer Publikum vergönnte Erzähler Wiedenroth nicht das Ende der Märchen, sondern schenkte ihnen die Spannung und damit den Ausgangspunkt für die eigenen märchenhaften Träumereien.
Märchenhaft gelungen ist Claudia Ott die Übersetzung der Dichtungen aus der Tausendundeinen Nacht. Sie fand den Schlüssel, die blumige und ausschweifende Sprache, die weit schweifenden Beschreibungen in den Märchen der arabischen Welt, ohne Kitsch, und ins Deutsche zu übertragen. Die Geschichten behalten ihren Reiz, ihre zuweilen innewohnende Erotik und ihre stets anziehende Fremdartigkeit. Dass die feinsinnig in unsere Sprache Übertragenen Dichtungen dank der Erzählkunst Hermann Wiedenroths an Glanz gewinnen konnten, ist ein weiter Grund, der diesen Abend wahrhaft märchenhaft werden ließ.