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28.09.2011

Thüringer Schriftstellerverband liest in Gotha

von Dieter Albrecht Thüringer Allgemeine

Die ehemalige Gothaerin Antje Barbendererde las in der Heinrich-Heine-Bibliothek aus ihrem neuen Roman "Rain Song". Der beschäftigt sich mit einer Dreierbeziehung zwischen zwei indianischen Jugendlichen und einem deutschen Mädchen befasst. Foto: Dieter Albrecht

Womit sich Thüringer Schriftsteller und Poeten beschäftigen, konnte man in einer öffentlichen Lesung erfahren. Die Stadtbibliothek Heinrich Heine in Gotha war Gastgeber für die Veranstaltung.

Gotha. Als Treffpunkt des traditionellen Manuskriptwochenendes hatten sich die Mitglieder des Thüringer Schriftstellerverbands dieses Jahr Gotha ausgesucht. In der Heinich-Heine-Bibliothek lasen vier von ihnen öffentlich aus eigenen Büchern und Manuskripten vor.

Der seit 1996 in Tabarz wohnende Sachse Berndt Ritter las aus seinem Romanmanuskript "Selbstbildnis mit Sonnenblume". Darin verknüpft er den authentischen Gothaer Bilderraub von 1979 mit den Erinnerungen und Assoziationen eines fiktiven pensionierten Kriminalhauptkommissars, der nicht allein seiner beruflichen Arbeit nachsinnt, sondern auch den Freuden und Verletzungen aus einer misslungenen Ehe.

Die ehemalige Gothaerin Antje Barbendererde gewinnt ihre Stoffe aus den jährlichen Alltagsbegegnungen mit Indianern Nordamerikas. In ihrem neuen Roman "Rain Song" geht es um eine Dreierbeziehung zwischen der aus Deutschland stammenden 16-jährigen, mit einem Alkoholproblem kämpfenden Simona, kurz Sim genannt, und zwei Indianerjungen, Jim und Lucas. In dramatischen Szenen schildert sie, wie das Zusammenleben der Jungen, des Rauschgiftdealers Jim und des blinden Lucas, durch natürliche Eifersucht auf eine Katastrophe zusteuert.

Wenn Wörter den Regeln der Musik folgen...

Mit anspruchsvoller Lyrik wartete die Bad Langensalzaerin Beate Weston-Weidemann auf. Wörter, die nicht zuletzt musikalischen Regeln folgen, wollen mit Bedacht gelesen und wieder gelesen werden.

Dass sie in einer öffentlichen Lesung nur eine geringe Chance haben, in ihrem vollen Gehalt aufgenommen zu werden, versteht sich von selbst.

Das Gedicht "Das Elend mit den Blättern" etwa greift das oft unverstandene Phänomen auf, dass die komplizierte Verbindung zwischen Eltern und Kindern noch so eng sein kann - und doch ist beiden das Denken und Fühlen des jeweils anderen kaum zugänglich. "Vater, wer bist du", heißt es da, "dass du alles an dich hältst, die ganze Last mit dir herumschleppst und nichts Gescheites von Dir gibst?" Und dann: "Der Sturm im Herzen des Knaben aber legte sich und kringelte sich in den offenen Armen des Vaters..."

... und Pointen einander jagen

Nicht nur der Sturm - auch die gespannte Konzentration des Publikums legte sich, als der für seinen Wortwitz bekannte Matthias Biskupek aus einem burlesken Kurzkrimi las, in dem die Pointen einander jagen.

Protagonist ist ein verhinderter Großschriftsteller, der in wöchentlichen Kalender-Achtzeilern das Ostalgie-Bedürfnis einer gewissen Käuferschicht zu befriedigen hat und deshalb nie schreiben darf, was er möchte. Denn das wäre wirklich brisant: Was steckt hinter dem Verschwinden eines Privatdetektivs in der DDR? Was haben die Sonneberger Piko-Modelleisenbahnen mit dem Kapital der Wismut-AG zu tun?

Wer hat das richtige Kind im Zeitzer Kinderwagen gegen eines mit einem künstlich angeborenen Herzfehler vertauscht? Was hat es auf sich mit dem unabhängigen Institut zur unabhängigen Erforschung von Verkehrsampeln? Und vor allem: Was wird aus der im Schlauchboot versteckten toten Oma?

Wer weiß - vielleicht taucht die eines Tages ja wieder auf. Zum Beispiel in einem nicht mehr ganz neuen Film von Hape Kerkeling mit dem Titel "Die Oma ist tot".