Presse - Details

 
05.11.2016

Thüringer Lyrikerin Daniela Danz auf Burg Ranis: Mit Prosa lassen sich viele Dinge besser erzählen

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Die Schriftstellerin Daniela Danz. Foto: Mario Keim

Thüringer Lyrikerin Daniela Danz stellt auf Burg Ranis ihren Roman „Lange Fluchten“ vor, in welchem sie ein brisantes Thema verdichtet

Ranis. Dort, wo Daniela Danz draufsteht, wird wohl auch in Zukunft vor allem Lyrik zu lesen sein. "Der nächste Band von mir enthält wieder Gedichte", sagte die Autorin am Donnerstag auf der Raniser Burg. Hier stellte sie ihren zweiten Roman "Lange Fluchten" vor, der in diesem Jahr im Wallstein-Verlag erschienen ist. "Mit Prosa kann ich aber viele Dinge besser erzählen", erläuterte die Autorin, die acht Jahre an ihrem Werk geschrieben hat. Beim genauen Hinhören wird aber schon deutlich, dass den Roman eine Lyrikerin geschrieben hat, so intensiv ist ihre Sprache.

Nach Informationen des Verlages handelt es sich beim Roman "Lange Fluchten" um eine Abenteuergeschichte über die Abgründe des eigenen Ichs – bildmächtig, geheimnisvoll, bezwingend. Die Welt scheint der Haupt­person Cons, mit vollem Namen Constantin, abhanden gekommen zu sein. Etwas in Cons wirkt wie zerbrochen. Er ist seit einem Aussetzer bei einer Übung als Zeitsoldat, an den er sich nur vage erinnern kann, wie aus der Welt gefallen. Unfähig, sich von der Fokussierung auf ein Ziel zu lösen, das es nicht mehr gibt, gleitet Cons aus alten Freundschaften und aus dem Leben seiner Familie in eine richtungslose, nächtelange Pirsch. Angelehnt an die Legende des römischen Feldherrn und Jägers Eustachius schreibt Daniela Danz ein radikales Buch über den Sog des Scheiterns und die vergebliche Tapferkeit eines Mannes, der sich noch einmal mit aller Macht der Fluchtlinie seines Lebens entgegenstemmt, bevor er in eine alptraumhafte Irrealität sich überschlagender Ereignisse gerät.

Für Ralf Schönfelder vom Lese-Zeichen e.?V. ist es ein bemerkenswertes Buch, sagte er bei seiner Einführung zur jüngsten Lesung. Widmet sich die Autorin doch darin dem Kosovo-Krieg und dem damit verbundenen Einsatz der Bundeswehr. Auf einen solchen Einsatz sollte auch der Zeitsoldat Cons vorbereitet werden, doch zum Dienst sollte es nicht mehr kommen.

Für die Auseinandersetzung mit diesem Thema suchte Daniela Danz Kontakt zu ehemaligen Bundeswehrangehörigen, aber auch zum Politiker Reinhold Robbe (SPD), der 2005 bis 2010 Wehrbeauftragter des Bundes­tages war. Das Interesse an dem römischen Feldherrn und Jäger Eustachius erklärte sich auch daraus, dass Daniela Danz ursprünglich mit zwei befreundeten Kollegen einen Roman zum Thema Jagd schreiben wollte. Entstanden ist nunmehr ein Buch, in dem es zwei Handlungsebenen gibt und das die Hörer der Auszüge am Donnerstag fesselte.

Die Lesung brachte die Kranichfelderin, die seit 2013 das Schillerhaus in Rudolstadt leitet, wieder einmal als Lesende zurück nach Ranis. Hier begann sie nicht nur ihre schriftstellerische Laufbahn, hier arbeitet sie seit vielen Jahren auch als Werkstattleiterin der Sommerwerkstatt Art & Wiese und ist damit Mentorin für viele junge Schreibende. "Sie zählt zu den besten Autoren, derer sich Thüringen rühmen darf", sagte Ralf Schönfelder über die 40-Jährige.