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16.10.2013

Thüringer Bibliothekenpreis 2013 geht nach Erfurt

von Sigurd Schwager Thüringer Allgemeine

Die Bibliothek als reine Ausleihstation hat ausgedient. Sie ist heute Aufenthalts-, Kommunikations-, Erlebnis- und Ruheort. Im Bild: Mitarbeiterin Kathrin Ewald in der Stadt- und Regionalbibliothek Erfurt. Foto: Alexander Volkmann

"Nirgends kann man den Grad der Kultur einer Stadt und überhaupt den Geist ihres herrschenden Geschmacks schneller und doch zugleich richtiger kennenzulernen, als - in der Lesebibliothek." Das schrieb Heinrich von Kleist vor mehr als 200 Jahren. Wie viele Bibliothekare kennt und bestätigt auch Eberhard Kusber aus Erfurt gern diesen Satz. Er leitet eines dieser wunderbaren Häuser, in denen man, mit einem anderen Dichter zu sprechen, viele Kästen und Schränke voll geistiger Nahrung vorfindet. Schweres und Leichtes, Süßes und Saures. Hausbrot und Delikatessen.

Heute allerdings ist Dr. Kusber nicht bei seinen modernen Kästen und Schränken des Geistes anzutreffen. Denn er wird beim 19. Thüringer Bibliothekstag in Weimar gleich mehrfach gefordert sein: zum einen als Vorsitzender des Landesverbandes der Bibliothekare, zum anderen als Chef der Erfurter Stadt- und Regionalbibliothek, die ihrerseits auf der Veranstaltung mit dem Thüringer Bibliothekspreis 2013 geehrt wird. Freuen dürfen sich aber nicht nur die 60 Erfurter Mitarbeiter. Es werden außerdem noch Förderpreise vergeben, in diesem Jahr an die Stadtbibliothek Dingelstädt im Eichsfeld sowie an die Gemeindebibliothek Drei Gleichen/Ortsteil Wandersleben im Landkreis Gotha.

Was zeichnet die Gepriesenen aus? Bei der Erfurter Bibliothek wäre da wohl die gute Vernetzung zu nennen. Kommunal, regional, national, international. Man habe inzwischen mehr als 60 Kooperationspartner, erzählt der Direktor und erwähnt als zweite mögliche Stärke die informative und attraktive Präsentation der Dienstleistungsangebote. Deshalb verwundert es auch nicht, dass die Bibliothek das Preisgeld (10 000 Euro) einsetzen möchte, um das Leit- und Orientierungssystem für die vielen Nutzer zu optimieren. Überhaupt, da ist sich Eberhard Kusber mit seinen Kolleginnen und Kollegen im Lande einig, entsprechen Bibliotheken längst nicht mehr dem Klischee der Ausleihstation. Sie sind Anlaufstelle für Suchende, Lernende, Genießende, Aufenthalts-, Kommunikations-, Erlebnis- und Ruheort. Hier findet man das gute alte, gedruckte Wort und zugleich mediale Vielfalt.

Die Erfurter Bibliothek, geschätzter Ort auch für die TA-Gesprächsreihe "Domplatz 1" und für Veranstaltungen der Herbstlese, beglaubigt die ungebrochene Lebenskraft des Buches mit ihrer eigenen Entwicklung: Um 17 Prozent stieg 2012 im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Besucher. Knapp eine Million waren es. Hinzu kamen die virtuellen Gäste. Eine halbe Million, 39 Prozent mehr als 2011. Tendenz weiter steigend. Natürlich sind Bibliotheken keine Inseln der Lese-Glückseligen im rauen Ozean des Lebens. Sinkende Einwohnerzahlen, veränderte Altersstrukturen oder immer dünner besiedeltes Land bleiben nicht ohne Wirkung. Der Verbandstag widmet sich daher den Bibliotheken im demografischen Wandel.
 Vieles ist zu beachten: die gute Ausstattung mit Datenleitungen, damit auch kleine Bibliotheken große Leistungen rasch anbieten; die Zukunft der Fahrbibliotheken, die für die Versorgung auf dem Lande unverzichtbar sind. Dass mit dem Altern der Gesellschaft immer mehr Menschen schlecht sehen und in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, gilt es zu berücksichtigen. Und nicht zuletzt erwartet Dr. Kusber vom herrschenden Geschmack des Geistes: "Bibliotheken müssen bezahlbar sein und bezahlbar bleiben".

Die bisherigen Preisträger:

  • 2003: Bibliothek  Gerstungen
  • 2004: Stadt- und Kreisbibliothek Arnstadt
  • 2005: Ernst-Abbe-Bücherei Jena
  • 2008: Stadtbücherei Weimar
  • 2009: Stadt- und Kreisbibliothek Sömmerda
  • 2010: Stadt- und Kreisbibliothek "Anna Seg­hers" Meiningen
  • 2011: Stadt- und Kreisbibliothek Zella-Mehlis
  • 2012: Stadtbibliothek Rudolstadt
  • 2013: Stadt- und Regionalbibliothek Erfurt